Einvernahme des Ex-ÖSV-Trainers

Mayer im Doping-Prozess: "nicht schuldig"

Mit der Einvernahme des Hauptangeklagten Walter Mayer ist heute der Prozess um ein mutmaßliches kleines Doping-Netzwerk rund um den ehemaligen ÖSV-Trainer fortgesetzt worden. Walter Mayer hat sich als „absolut nicht schuldig“ bekannt. Der Soko-Doping wirft er Korruption und Fälschung eines Zeugen-Protokolls vor.

Mittagsjournal, 10.08.2011

Mayer teilt kräftig aus

Der frühere Langlauf-Trainer des Österreichischen Schiverbands Walter Mayer ist am ersten Tag des Dopingprozesses gegen ihn und vier Mitangeklagte schwer belastet worden. Einer der Mitangeklagten hat ausgesagt, er habe Mayer mit Dopingmitteln beliefert. Mayer selbst bestreitet alle Vorwürfe. Seit Jahren verfolgt er diese Linie. Und er bleibt auch im Prozess dabei. Am Vormittag hat die Richterin Mayer zu den Vorwürfen befragt. Und da hat Mayer selbst kräftig ausgeteilt, gegen die Soko-Doping, und gegen den Mitangeklagten, der ihn belastet hat.

"Katzen, kein Katzenfutter"

Angriff ist die beste Verteidigung, scheint sich Walter Mayer zu denken und lässt dabei auch Griffe in den Schmutzkübel nicht aus. Seinem 42-jährigen Mitangeklagten und mutmaßlichen Dopingmittel-Lieferanten wirft er dessen Vorstrafen in vielen Details vor, versucht ihn so als unglaubwürdig darzustellen.

Was konkrete Vorwürfe betrifft, sagt der Ex-ÖSV-Cheftrainer zwar, er sei zweimal beim Mitangeklagten gewesen, aber er habe nur zwei Katzen abgeholt – Nachsatz: kein Katzenfutter. Gelächter im Gerichtssaal. Denn der Mitangeklagte hatte ausgesagt, Katzenfutter sei das Codewort für das Blutdopingmittel EPO gewesen.

"Nicht anwesend"

Haben Sie EMS-Pakete mit EPO vom Mitangeklagten per SMS bestellt und erhalten? Das war Katzenfutter für die Katzen meiner Freundin, lautet Mayers Antwort.

Und der 54-jährige versucht zu argumentieren, dass er bei angeblichen Dopingmitel-Übergaben nicht gewesen sein konnte, etwa weil er wochenlang bei einem Trainingslager in Slowenien gewesen sei.

"Soko-Doping korrupt"

Einem Soko-Doping-Ermittler wirft Walter Mayer nebenbei vor, er habe ein Protokoll zurückdatiert, überhaupt sei die Soko korrupt. Und Arzneimittel, die die Soko offenbar als Doping-Hilfsmittel sieht, bezeichnet Mayer als Vitaminpräparate. Die habe der österreichische Schiverband im übrigen in großen Mengen gekauft, ein anderer Lieferant, so Mayer sei da gar nicht nötig gewesen.

Apotheker im Visier

Und warum wurde bei ihm ein italienisches Blutdoping-Hilfsmittel der selben Produktionscharge gefunden wie beim Mitangeklagten mutmaßlichen Lieferanten? Er habe dieses Mittel aus Italien über Jahre bei einer Apotheke im steirischen Radstadt gekauft, sagt Mayer. Die Reaktion der Staatsanwältin: Sie will Ermittlungen gegen den Apotheker dort einleiten. Ein Wiener Apotheker ist hier in Wien bereits mitangeklagt.

"War bei Humanplasma"

Zuletzt noch zum Blutdoping mit Hilfe der Firma Humanplasma in Wien, Mayer sagt nur: Ich war dort. Mehr nicht. Er werde in diesem Zusammenhang nämlich der Steuerhinterziehung beschuldigt und wolle daher nichts sagen, was zu seinem Nachteil verwendet werden könnte.