Keine Entwarnung nach Fed-Entscheidung

Die amerikanische Notenbank Fed will zwei Jahre Geld zum Nulltarif verleihen. Das wird zwar kurzfristig eine Entspannung auf den internationalen Finanzmärkten bringen, für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh.

Morgenjournal, 11.08.2011

Nullzinsen auf zwei Jahre

Jeden zweiten Dienstag im Monat gibt die US-Notenbank FED bekannt, wie es mit den Zinsen weitergehen soll. Meistens warten die Anleger gespannt auf diese Entscheidung, weil sich die FED nie auf längere Zeit festlegt, sondern sich immer möglichst viel Spielraum offen lässt. Umso überraschender war es, was die Herren der Fed jetzt haben verlauten lassen: In den nächsten zwei Jahren wollen sie den Leitzinssatz praktisch bei null lassen. Aber es war vielleicht aus der Sicht der Notenbanker der einzige Weg, die Anleger zu beruhigen. Allerdings ohne Erfolg vorerst.

Fed lehnt sich hinaus

Die große Aufregung der zum Teil extrem nervösen Investoren hat sich einigermaßen gelegt, eine klare Linie scheinen die Anleger jedoch noch nicht gefunden zu haben. Für Monika Rosen, Chefanalystin der UniCredit Tochter Bank Austria, ergeben sich im Grunde zwei Blickwinkel: die Fed erwarte bis 2013 kaum Wachstum und aus Amerika komme kein Gegenwind von Zinsseite her.

Mit der de facto Nullzinsaussage, die kein Versprechen ist, geht die Fed in konjunkturell schwachen Zeiten erheblich weiter als erwartet. Sie schränkt sich den Spielraum selbst ein, will zunächst auch keine weiteren Anleihen kaufen und auch nicht die Geldpolitik erneut lockern. Konjunkturprogramme im dreistelligen Milliardenbereich sind nicht mehr zu finanzieren, so sehr die vergleichsweise niedrigen Konsumausgaben auch Anlass zur Sorge sein mögen, dass das Land in die Rezession gleitet.

Kein Steuerungsinstrument mehr

Ein Abwürgen der Binnennachfrage können sich die USA als Wirtschaftsmacht Nummer eins nicht erlauben, auch wegen der Wirkung auf jene Länder, die auf Export Richtung Nordamerika getrimmt sind.

Bleibt die Fed bei ihrem Kurs, dann legt sie das wichtigste und letzte Steuerungsinstrument, das Zentralbanken zur Verfügung steht, zur Seite. Mit der Aussicht auf niedrige Leitzinsen ist das wirtschaftspolitische Arsenal vorerst weitgehend ausgeräumt und die Politik hat die Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte ausgereizt. Die Politik der US-Notenbank dient noch einem weiteren Zweck. Steigende Zinsen plus fallende Grundstücks- wie Häuserpreise hatten die Immobilienkrise ausgelöst. So etwas soll sich nicht wiederholen können.

Europa wartet ab

Die Wirkung der FED Entscheidung auf die Zinsentwicklung in Europa ist noch unklar. Zwei Mal hat die EZB den Leitzins in diesem Jahr schon angehoben, um die Inflation einzudämmen. Eine dritte scheint möglich, aber erst nächstes Jahr, so Monika Rosen.

Hoffnung auf BRICS-Staaten

Viel wird davon abhängen, wie sich die Politik in den kommenden Wochen und Monaten verhält. Die USA und mit ihr die führenden Industriestaaten der G7 machen einen geschwächten Eindruck, wirtschaftspolitische Alleingänge wirken immer seltener und lassen den Akteuren auf den Finanzmärkten weiter viel Spielraum. Aus Sicht der Bank Austria Analystin Monika Rosen bedarf es einer konzertierten Aktion der G20 Staaten. Ohne die prosperierenden Schwellenländer wie China, Brasilien und Indien werde es erheblich schwieriger, die internationalen Investoren auf Dauer zu beruhigen. Das müsse rasch geschehen, denn noch ist die Weltwirtschaft auf Wachstumskurs und die Lage besser als die Stimmung.

Morgenjournal, 11.08.2011

Am Mittwoch hat der Versuch der Fed, die Anleger zu beruhigen, nicht mehr gewirkt. Ganz im Gegenteil. In den USA sind die Kurse stark gefallen,