Eröffnung mit Kompositionsauftrag

Jazzfest Saalfelden

In den 70er Jahren, als das Jazzfestival in Saalfelden noch ein zartes Pflänzchen war, wurde Jazz als "Tschinn-Bumm-Musik" verunglimpft. Heuer, beim 32. Festival, wird damit sogar geworben: Plakate mit lautmalerischen Begriffen zieren die Geschäfte.

Die Stadt im Pinzgau hat nicht nur ihren Frieden mit dem Festival gemacht, sie lebt auch gut vom musikbegeisterten Publikum. Die Festivalbetreiber erwarten von heute bis Sonntag 15.000 Besucher. Auf dem Programm steht Musik, die den Jazz immer wieder neu erfindet.

Mittagsjournal, 25.08.2011

Kompositionsauftrag

Bewährt hat sich beim Jazzfestival Saalfelden, einem österreichischen Musiker einen Kompositionsauftrag für den Eröffnungsabend zu geben. Für das Konzert am Freitag, 26. August 2011 ist die Wahl auf den Saxophonistin Max Nagl gefallen.

Das Herzstück seines Auftritts bildet die Band Big Four, mit der Nagl schon seit längerem musiziert, erweitert um einige Musiker und Musikerinnen, unter anderem Otto Lechner mit seinem Akkordeon. Weil man einander in dieser Besetzung noch nicht kennt, hat Nagl sich entschlossen, ziemlich viel aufzuschreiben: "Die Band spielt das erste Mal zusammen. Es gibt sehr wohl Teile, die improvisiert sind. Aber es gibt auch Teile, die einfach ganz ausarrangiert notiert sind."

Musiker im Vordergrund

Die Komposition orientiert sich vor allem an den Qualitäten der Musiker: "Es hat schon einen Bezug zum Festival, rein von der Atmosphäre her, wenn man das Festival eröffnet - ich hab eher an solche Parameter gedacht, an die Musiker, ans Festival - mehr als an einen bestimmten Stil oder eine bestimmte Art zu spielen", so Nagl.

Temperamentvoll soll er auch sein, der Eröffnungs-Act. Schließlich hat Max Nagl viele gute Erinnerungen an das Festival, bereits aus seiner Jugendzeit und auch als aktiver Musiker: "Ich finde es sehr gut, wenn Musiker einen Kompositionsauftrag bekommen. Das fehlt bei vielen Festivals, dass man die Möglichkeit hat, etwas Neues zu machen, dass man nicht einfach mit einer Band kommt, sondern sich überlegen kann, etwas Neues zusammenzustellen - und es gibt ein Budget, mit dem man das bezahlen kann."

Respektloser Umgang mit Jazzgeschichte

Das ist auch der Wunsch des Programmduos, für Saalfelden Jahr für Jahr das Ungewohnte zu wagen, ausgetretenen Pfade zu verlassen, sagt Intendant Mario Steidl: "Ein sehr gutes Beispiel, vielleicht auch weil es ein respektloser Umgang mit der Jazzgeschichte ist, sind zum einen die Dead Kenny G's, die wirklich sehr brachial sind und diverse Jazz-Stile persiflieren. Es sind aber auch junge Musikerinnen und Musiker hier, wie zum Beispiel Jessica Pavone mit einem Projekt, das deutlich im rockigen Bereich angesiedelt ist, wir haben ein Frank-Zappa-Projekt, das nicht nur ein Wiederkäuen von Frank Zappa ist, sondern ein sehr improvisiertes Projekt."

Gratiskonzerte

Zu den experimentellen "Short Cuts" im Nexus ab Donnerstagabend und den großen Konzerten auf der Hauptbühne gibt es auch heuer wieder Gratiskonzerte auf dem Rathausplatz und auf einigen Almen. Auch diese kostenlosen Angebote haben dazu beigetragen, dass man sich in Saalfelden und der Region mit dem Festival identifiziert.

Neben dem Sport gehört das Jazzfestival zu jenen Angeboten, mit denen die Region sich international positionieren will. Und die Beherbergungsbetriebe leben sehr gut von den Jazzfreunden: Auch das steigert die Beliebtheit der Tschinn-Bumm-Musik.

Textfassung: Rainer Elstner

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