Tobias Natter ist "angekommen"

Der neue künstlerische Leiter des Leopold Museums heißt Tobias Natter. Der Name war bereits zuvor nach außen gesickert. Am Dienstag, 6. September 2011 fand die offizielle Präsentation des neuen Direktors statt. Er sei in einem "idealen Museum" angekommen, so Natter.

Mittagsjournal, 06.09.2011

Ein "ideales Museum"

Das Leopold Museum hat mit Tobias Natter einen neuen museologischen Direktor. "Wir haben uns, wie sie bemerkt haben, sehr viel Zeit gelassen", so Vorstandsvorsitzender Helmut Moser bei der Pressepräsentation. Mit Natter, der von Anfang an als Favorit gehandelt wurde und am 1. Oktober seinen Dienst antritt, sei nun aber "der größte gemeinsame Nenner" gefunden. Dieser wiederum fühlt sich "angekommen in einem idealen Museum", wie er betonte. "Es lebt aus der Sammlung des Hauses."

Dass es so lange gedauert hat, einen Nachfolger für den im Juni 2010 verstorbenen Rudolf Leopold zu finden, begründete dessen Witwe Elisabeth mit den "wunderbaren, großartigen Mitbewerbern", unter denen man sich zu entscheiden hatte. "Letztlich hat der Natter gesiegt, weil er die meiste kunsthistorische Erfahrung hat", so Leopold. Und zu Natter: "Sie haben wirklich ein großes Glück mit uns." Auch wenn das letztlich ausverhandelte Gehalt ihn "nicht zu einem reichen Mann" machen wird, wie Natter erklärte. Es orientiere sich an dem, was er als Direktor des Vorarlberger Landesmuseums verdient habe.

Konkurrenz "ist fruchtbar"

Restlos glücklich zeigte sich der designierte Direktor dagegen über die Schritte, die das Museum in der jüngeren Zeit gesetzt hat. "Vieles, was ich mir gewünscht hätte, wurde bereits umgesetzt": So wolle er den Weg, den Schwerpunkt auf der Kunst um 1900 auch in die Kulturgeschichte zu ziehen, weitergehen, ebenfalls den neuen Fokus auf die Fotografie sowie die "Öffnung in die Gegenwart" fortschreiben. "Die Sammlung ist nichts Statisches, sondern etwas, das man in der Hand hat und woran man die Fragen der Gegenwart richtet."

Vor diesem Hintergrund habe er auch "kein Problem" damit, dass sich in der "vitalen Museumslandschaft" Wiens auch andere Häuser mit den gleichen Themen beschäftigen, so Natter, der selbst 15 Jahre lang im Belvedere tätig war. "Das ist fruchtbar und wesentlich."

Restitution wichtiges Thema

Zufrieden äußerte sich der neue Direktor über das "wichtige Thema" Restitution. "Wir haben seit der 'Wally' viel erfahren und gelernt." Den neuen Weg des Vorstands, "direkt mit den Betroffenen und Berechtigten" Lösungen zu finden und Vergleiche anzustreben, betrachte er als "gut und fair". Die "primäre Kompetenz" für die Kunstrückgabe liege beim Vorstand, er hoffe, dass sich Diethard Leopold in diesen Belangen auch weiterhin intensiv einbringen werde. Für das weitere heikle Thema der Finanzen und dem Budget für künftige Ankäufe gab sich Natter pragmatisch: Man werde verstärkt auf Kooperationen setzen müssen. "Natürlich ist es schön, wenn man etwas kaufen kann. Aber ich muss nicht alles materiell besitzen, um damit zu arbeiten." Neben den Wiener Museen soll auch die Kooperation mit anderen Privatsammlungen fortgesetzt werden.

Dass das Haus mit einem Budget von 2,7 Millionen Euro über "bedeutend weniger" verfüge als vergleichbare Museen, betonte der kaufmännische Direktor Peter Weinhäupl, der mit Natter künftig ein duales Direktorium bilden wird. Um die Finanzen zu stärken werde daher eine "entsprechende Programmatik" benötigt. Mit Tobias Natter habe er diesbezüglich allerdings schon positive Erfahrungen gemacht, als man gemeinsam "Die nackte Wahrheit" als Ausstellung über Klimt, Schiele und Kokoschka im Jahr 2005 auf die Beine stellte. Und während Weinhäupl ein "herzliches Willkommen" aussprach, berichtete Natter von der ersten Reaktion Elisabeth Leopolds auf seinen Dank nach der Vertragsunterzeichnung: "Sparen Sie sich den Dank, ich will Taten sehen."

Text: APA, Audio: ORF