20er Haus wird zum 21er Haus

Das 20er Haus gegenüber dem zukünftigen Hauptbahnhof wird unter der Leitung des Belvedere zum 21er Haus umgebaut. Der Pavillon wurde am 20. September 1962 als Museum eröffnet. Genau 49 Jahre später gibt es eine erste Presseführung durch das sanierte Haus. Das Ö1 Mittagsjournal hat sich vorab im 21er Haus umgesehen.

Mittagsjournal, 19.09.2011

Untergeschoss freigelegt

Noch wird gesägt, gehämmert und gebohrt. Am Dienstag, 20. September 2011 soll die Baustelle ruhen - für eine erste Besichtigung. Zu sehen ist der transparente, klar gegliederte Ausstellungsbau von Karl Schwanzer für die Weltausstellung 1958 in Brüssel, den man nunmehr über eine Brücke betritt. Das Untergeschoss wurde nämlich freigelegt und sichtbar gemacht, neben dem Gebäude steht jetzt ein Turm.

"Wir haben in einer Art Doppelhelix-Verfahren um das bestehende Gebäude ein imaginäres weiteres gebaut. Wir haben quasi das bestehende Gebäude mit Räumen eingekreist, die Dienstbarkeiten für das bestehende Gebäude liefern; allerdings auch Dienstbarkeiten, die durchaus sichtbar sind, zum Beispiel ein Kaffeehaus im Erdgeschoss, das ich mit Hermann Czech gemeinsam gemacht habe", erläutert Architekt Adolf Krischanitz.

Belvedere bespielt das neue Haus

Krischanitz, ein Schüler Karl Schwanzers, hat das 20er Haus ins nächste Jahrhundert transferiert und - adaptiert und erweitert - zum 21er Haus gemacht. Bespielt wird dieses Haus von der Österreichischen Galerie Belvedere.

"Das Belvedere hat einen ganz klaren Auftrag: Österreichische Kunst im internationalen Kontext. Das wird nun ins 21. Jahrhundert fortgeführt", sagt Direktorin Agnes Husslein. "Das Ziel ist, endlich einmal auch der österreichischen zeitgenössischen Kunst eine adäquate Plattform zu bieten und die großen Talente vorzuführen."

Parcours österreichischer Kunstgeschichte

Im Erdgeschoß werden Sonderschauen stattfinden, monografische ebenso wie thematische Ausstellungen und im ersten Stock soll es einen Parcours durch die Österreichische Kunstgeschichte geben - von den 1950er Jahren bis heute. Darüber hinaus wird das 21er Haus die Schausammlung der Wotruba-Stiftung beherbergen und die Artothek des Bundes.

"Wir eröffnen das Haus unter dem Titel 'Schöne Aussichten'. Denn mir und den Kuratoren ist es ganz wichtig, dass wir auch dieses Architekturjuwel sichtbar machen", erläutert Husslein. "Daher haben wir Künstler eingeladen, einerseits darauf zu reagieren, vor allem Marcus Geiger. Wir haben eine Lichtinstallation von Lucio Fontana, wir haben auch Florian Hecker, der eine Klanginstallation macht, wir haben Video und Film. Im Obergeschoss zeigen wir verschiedene Künstlerräume."

West, Schlingensief, Oberhuber

Künstlerräume unter anderem von Oswald Oberhuber, Franz West, Christoph Schlingensief und Sofie Thorsen. Und im November soll auch der neue Turm neben dem 21er Haus fertig sein. Der Turm habe die Aufgabe, mit "Büros, die im 20er Haus schon seit Brüssel gefehlt haben", zu dienen, so Krischanitz. "Der Turm ist außerdem ein Zeichen nach außen, das ganz entscheidend ist. Und vom Turm sieht man das gesamte 20er Haus. Der Turm ist eine Art Schnittstelle, die das 20er Haus noch einmal als Ganzes ausstellt."

Am 15. November 2011 wird das 21er Haus offiziell eröffnet.

Textfassung: Rainer Elstner

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Belvedere