Dicht vernetzt und für alles offen

Rund zehn Tage Island Mitte September, zehn Tage in denen ich auch noch Material für ein kleines Feature für "Moment - Leben heute" über Islandpferde gesammelt habe. So viele Interviews, wie ich schaffen konnte, mit Leuten, die gerade im Lande waren.

Die Fühler in möglichst viele Richtungen ausstrecken, war das Leitmotto, um - rund um einige Schlüsselfragen - ein möglichst buntes und interessantes Bild zeichnen zu können. Ein ebenso buntes und interessantes Bild hätte sich aber sicherlich auch mit elf anderen Szene-Protagonistinnen und Protagonisten, als den hier vorkommenden, zeichnen lassen, denn die isländische Musikszene ist so reichhaltig, dass in zwei Stunden "Zeit-Ton" sich nur ein kleiner Bruchteil packen lässt.

Weltoffen und stets hoch aktiv

Alle Isländerinnen und Isländer, die ich getroffen habe, egal ob auf der Pferdefarm oder in Reykjaviks Musikszene, beeindruckten mit ausgesprochener Weltoffenheit. Und sie sind alle wahre Tausendsassas, stets hoch aktiv und an vielem interessiert.

Ja, das sei wohl einfach die Natur der isländischen Musikschaffenden, kommentierte dies Valgeir Sigurdsson von der Bedroom Community und dem Greenhouse Studio. "Es gibt in Island eine grundlegende Offenheit", führt Sigurdsson weiter aus. "Man möchte einfach in mehr als nur eine Sache involviert sein. Und die Kommunikationswege sind kurz. Man kann mit so gut wie jedem schnell in Kontakt treten, den Wünschen sind hier kaum Grenzen gesetzt. Das hat, glaube ich, zu einigen interessanten und unerwarteten Mischungen geführt."

Hände immer in mehreren Sachen

Es gäbe diese Rede davon, dass die Isländerinnen und Isländer ihre Hände immer gleich bei mehreren Sachen im Spiel hätten, ergänzt Sigfrídur Björnsdóttir, die Leiterin des isländischen Musikinformationszentrums.

"Das Leben hier würde auch gar nicht funktionieren, wenn nicht alle viele Sachen gleichzeitig machen würden", erklärt sie. "Der Spezialist ist in Island nicht so gefragt. Nur wer auf vieles spezialisiert ist, überlebt. In anderen Ländern können die Leute bei dem, was sie tun, vielleicht sehr in die Tiefe gehen. Die Wege, die hier zurückgelegt werden, sind kürzer, führen dafür aber in viele verschiedene Richtungen. Auch das kann bereichern."

Phänomen geografischer Lage

Bis zu einem gewissen Grad läge es aber wohl auch einfach an der eben doch isolierten geografischen Lage, spinnt der Künstler und Musiker Sigtryggur Berg Sigmarsson den Gedanken weiter. Island sei ein kleines, abgelegenes Land mit nur rund 300.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, die sich angesichts dieser Tatsache lieber geistig beschäftigt halten. Auch, so Sigtryggur Berg Sigmarsson, sei Tradition in dieser vergleichsweise jungen Kulturnation nicht so wichtig - ein Argument, das auch die Komponistin und Musikerin Hafdis Bjarnadottir ins Feld führt.

"Einige haben mir gesagt, dass ich mit dieser Annahme falsch liege, aber ich glaube das ist ein großer Faktor", ist Bjarnadottir überzeugt. "Und was auch noch typisch ist für die isländische Kultur: Die Leute hier sind immer ganz aufgeregt, wenn es etwas Neues gibt, sei es das Internt oder - jetzt - ein neues Mobiltelefon. Sofort müssen es alle haben und ein Teil dieser neuen Gesellschaft sein."