Immer mehr Medikamentenmissbrauch
Wachsendes Problem Labordrogen
Die Anzeigen wegen unerlaubten Drogenkonsums sind in Österreich im Vorjahr auf knapp 24.000 gestiegen - das sind um tausend mehr als im Jahr davor. Der aktuelle Drogenbericht des Gesundheitsministeriums belegt, dass der Konsum von Medikamenten steigt, die bewusstseinsverändernde Stoffe enthalten. Und völlig neue Drogensubstanzen werden zunehmend zum Problem.
8. April 2017, 21:58
Morgenjournal, 07.11.2011
Neue Chemikalien
Die bei weitem am häufigsten beschlagnahmte Droge in Österreich ist nach wie vor Cannabis, auf Platz zwei befinden sich bereits Medikamente, die Drogenstoffe enthalten. Dann folgen Heroin und Kokain. Außerdem zeige sich ein starker Anstieg beim Missbrauch von Medikamenten, die zur Leistungssteigerung eingesetzt werden. Deutlich zurückgegangen ist hingegen der Konsum der Partydroge Ecstasy - an seine Stelle treten neue Chemikalien, die im Bereich der Party- und Clubszene angeboten werden. Bereits jede fünfte analysierte Probe enthielt sogenannte Forschungschemikalien. Das seien Substanzen, die in Labors entwickelt wurden, "für welchen Zweck auch immer", sagt Drogenkoordinatorin Johanna Schopper. Oft seien das Abfallprodukte der Arzneimittelforschung, ihr Wirkung sei nicht einschätzbar, so Schopper.
Tödlicher Mischkonsum
Generell sehr problematisch wird der Konsum von Opiaten gemeinsam mit anderen Drogen gewertet. Mehr als 90 Prozent der Todesfälle infolge von Drogenkonsum sind auf diesen Mischkonsum zurückzuführen, so der Bericht. Hier müssten Maßnahmen entwickelt werden, wie man mit derart schwer abhängigen Personen umgehen könne, so Schopper.
Ärztliche Versorgung schwierig
Etwa jeder zweite Opiatabhängige befinde sich in ärztlicher Behandlung und erhält Ersatzstoffe, so der Drogenbericht. Allerdings sei die Versorgung in manchen Regionen Österreichs nicht zufriedenstellend. In zahlreichen Bezirken gebe es keinen einzigen Arzt, der Drogenpatienten behandle. Und nicht jeder Drogenpatient, der ein Ersatzprogramm in Anspruch nehmen will, erhält auch einen Platz. Das zeige sich an den Wartelisten und Wartezeiten, die je nach Einrichtung bis zu mehrere Monate betragen können. "Keine optimale Situation", so Schopper. Durch organisatorische Maßnahmen versuche man, die Lage zu verbessern. Außerdem wolle man auch in den unterversorgten Regionen Ärzte wieder zur Betreuung von Drogenpatienten bewegen - etwa durch eine bessere Honorierung, sagt Schopper.
Insgesamt sind in Österreich knapp 15.000 Drogenabhängige in Behandlung. Im Vorjahr waren es noch um knapp .000 Patienten weniger.
