Extrahonorar für Ärzte

Betreuung von Drogenkranken lückenhaft

Wegen Drogendelikten sind immer mehr Patienten in Behandlung, zeigt der aktuelle Drogenbericht des Gesundheitsministeriums. Fast jeder zweite Opiatabhängige wird demnach von einem Arzt betreut. Doch in einigen Bundesländern ist die Versorgung sehr lückenhaft: In manchen Bezirken gibt es keinen einzigen Arzt, der Drogenpatienten behandelt.

Mittagsjournal, 07.11.2011

Weiße Flecken

Eine Österreich-Karte erklärt, wo es Ärzte für Drogenabhängige gibt und wo nicht. Orange bedeutet: gute Versorgung, weiß heißt: kein einziger Arzt, der Drogenpatienten betreut. Orange sind zum Beispiel Wien oder Innsbruck. Große weiße Flecken gibt es in Kärnten ,Niederösterreich und im restlichen Tirol. Aus ärztlicher Sicht ist das nicht zufriedenstellend, sagt der Wiener Drogenexperte Hans Haltmayer. Denn je weiter der Anfahrtsweg für die Abhängigen, desto geringer sei die Chance, dass sie überhaupt in Behandlung kämen. Die Folgen sind ein Ansturm auf Krankenhausambulanzen in diesen Bereichen und lange Wartezeiten auf Therapieplätze.

Frage des Honorars

Zahlreiche Allgemeinmediziner haben sich aus der Behandlung von Drogenpatienten verabschiedet, einerseits weil sie jetzt mehr Zusatzausbildungen benötigen als früher, andererseits weil in einigen Bundesländern noch keinen Sondervertrag zur Honorierung von Drogenpatienten existiert. Gut funktioniere die Betreuung in Wien, so die österreichische Drogenbeauftragte Johanna Schopper. Hier erhalten Ärzte, die Drogenabhängige betreuen, auch ein Extrahonorar. Allerdings habe man hier mit einem Ansturm aus den umliegenden Bundesländern zu kämpfen, sagt der Wiener Drogenbeauftragte Alexander David.

Wichtig sei die Betreuung durch Ärzte auch deshalb, weil dort die langfristige Betreuung besser durchgeführt werden könne, sagen Studienautorin Marion Weigl vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen und Hans Haltmayer.

Erleichterte Voraussetzungen

Mittlerweile müssen Allgemeinmediziner, die Drogenpatienten betreuen etwas, weniger Zusatzausbildungen nachweisen als zuvor, heißt es im Gesundheitsministerium. die extra-Honorierung sei jedoch Ländersache. Zumindest in Niederösterreich und in Salzburg sei eine bessere Bezahlung der Ärzte bereits absehbar, so die Drogenbeauftragte.