Burschenschafter-Ball als UNESCO-Kulturerbe

Der Wiener Korporationsball sorgt seit Jahren für Diskussionen und Demonstrationen. Nun ist die Diskussion um den Ball der Burschenschafter um eine Facette reicher: Er befindet sich nämlich - als Bestandteil der offiziellen Wiener Ballsaison - auf einer UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes Österreichs.

Abendjournal, 18.01.2012

Öllinger: "geschmackloser Faschingsscherz"

Für den Grünen Abgeordneten Karl Öllinger kann es nur ein geschmackloser Faschingsscherz sein. Verteidigungsminister Norbert Darabos, SPÖ, fordert in einer Aussendung mehr Sorgfalt und Sensibilität bei solchen Entscheidungen, und für Alexander Pollak von "SOS Mitmensch", ist es schlicht eine Blamage für die österreichische UNESCO-Kommission, aber auch die Ministerien, die diese fördern und besetzen, "weil sie einer rechtsextrem besetzten Vereinigung wie dem WKR immaterielles Kulturerbe zugesprochen haben." Anders naturgemäß die FPÖ, die das Ball-Logo sogleich mit einem selbst kreierten UNESCO-Schriftzug versehen hat.

Nowotny: Ball übersehen

Doch wie kann es eigentlich sein, dass eine so viel und kontrovers diskutierte Veranstaltung überhaupt in die Liste der UNESCO aufgenommen wird? Dazu Eva Nowotny, Präsidentin der österreichischen UNESCO-Kommission: "Es wurde übersehen, dass dieser Ball auf der Liste ist, ganz eindeutig."

Fall wird überprüft

Dabei betont Nowotny, dass es sich hier bloß um die Erstellung eines nationalen Registers von Traditionen handle, die für die Liste des internationalen immateriellen Kulturerbes in Frage kommen. "Und eine der Einreichungen, die wir in diesem Zusammenhang gehabt haben, betraf die Wiener Ballkultur per se." Und, so Nowotny weiter: "Mit der Aufnahme in dieses Register verbindet sich nichts. Das ist sozusagen nur eine Datenbank." Nowotny kündigte dabei eine rasche Einberufung des zuständigen Fachbeirates an, man werde den Fall so schnell wie möglich überprüfen.