Flug ins Ausbildungscamp?

Anklage gegen Terrorverdächtige fertig

Vor einem halben Jahr sind vier Terrorverdächtige auf dem Flughafen Wien-Schwechat festgenommen worden. Jetzt ist die Anklage fertig. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um eine Gruppe radikaler Moslems, die zur Ausbildung in ein Terrorcamp reisen wollte.

Mittagsjournal, 25.01.2012

Festgenommen am Flughafen

Der Hauptverdächtige soll Reisen in Terrorcamps organisiert und Geld an eine Terrororganisation überwiesen haben, so der Verdacht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dass er Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen sei.

Insgesamt vier Verdächtige sind Mitte Juni des Vorjahres auf dem Flughafen Wien-Schwechat festgenommen worden. Drei von ihnen wollten damals nach Pakistan reisen. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz wollten sie sich in einem Terrorcamp ausbilden lassen. Der vierte Festgenommene soll die Reise organisiert haben.

Verbot durch Gesetzesänderung

Reisen in Terrorcamps sind seit Beginn des Vorjahres verboten. Sowohl Ausbildnern als auch Teilnehmern an Terrorcamps drohen nun jahrelange Haftstrafen, sofern die vermittelten Fähigkeiten für terroristische Zwecke eingesetzt werden sollen. Ob auch der Versuch allein, in ein Terrorcamp zu reisen strafbar ist, müsste nun die Justiz entscheiden. Es gibt dazu bisher in Österreich noch keine vergleichbaren Fälle.

Beschuldigte dementieren

Der Anwalt des Hauptverdächtigen Lennart Binder weist die Vorwürfe jedenfalls zurück. Es sei gar keine Reise in ein Terrorcamp geplant gewesen, sondern man habe ein neues Leben beginnen wollen. Geld habe der Verdächtige zwar überwiesen - jedoch nicht um Terrorismus zu finanzieren, so Binder. Vielmehr sei er von einem alten Freund um Geld gebeten worden, so habe er diesem schließlich ein paar tausend Euro überwiesen.

Die Anklage ist nicht rechtskräftig, die Anwälte haben zwei Wochen Zeit, dagegen Einspruch zu erheben.