Ärztekammer gegen Reformpläne der Regierung

Viel hält die Ärztekammer nicht von der Gesundheitspolitik der Regierung. Die Kritik beginnt beim Projekt ELGA, dem Elektronischen Gesundheitsakt, und endet bei den Bemühungen um eine Reform des Spitalswesens. Ärztekammer-Präsident Walter Dorner erteilt beiden Vorhaben die Rote Karte.

Mittagsjournal, 16.2.2012

Dorner vermisst "Quäntchen Realität"

"Wie im Märchenland" kommt sich Dorner vor. Er vermisse ein Quäntchen Realität in Gesundheitsfragen. Das gilt für den geplanten Kostendeckel bei den Gesundheitsausgaben. Die Kosten sollen bei der Reform die Wirtschaftsleistung nicht übersteigen.

"Wer kann das finanzieren, dass Ordinationen Samstag und Sonntag geöffnet sind?", fragt Dorner. In Spitälern gebe es bereits jetzt große Probleme, die Wochenenddienste entsprechend zu besetzen.

Ärztekammer favorisiert Hausarztmodell

Dorner verweist einmal mehr auf das von der Ärztekammer favorisierte Hausarztmodell. Da seien Einsparungen in Millionenhöhe zu lukrieren. "Aber man fragt uns nicht einmal", empört sich Dorner.

Den Realitätssinn verloren hätte das Gesundheitsministerium auch beim Projekt ElGA. Die elektronische Gesundheitsakte würde nur 22 Millionen Euro einsparen, und nicht 129 Millionen Euro, argumentiert Dorner. Die Ärztekammer stützt sich auf ein Gutachten vom Wirtschaftsprüfer Klaus Hübner. Demnach seien die Berechnungen schlichtweg falsch und nicht nachvollziehbar, sagt Dorner.

Das Sparpaket sei die Möglichkeit gesichtswahrend aus dem Projekt auszusteigen, sagt Dorner.