Ein Gespenst namens Zukunft

Seit vier Jahren wird in Österreich der Jungwild-Preis vergeben. Der Preis richtet sich an junge Theatermacherinnen und Theatermacher, die sich mit Kinder- und Jugendthemen auseinandersetzen. Er wird auf drei Preisträger aufgeteilt und ist mit 16.000 Euro dotiert. Außerdem bekommen die Sieger und Siegerinnen die Möglichkeit, ihre Stücke im Dschungel Wien zu präsentieren.

Die Theaterstücke der Vorjahresgewinner werden von 17. bis 20. Februar 2012 im Dschungel Wien gezeigt. Den mit 8.000 Euro dotierten Hauptpreis hat die 27-jährige Valerie Kattenfeld für das von ihr geschriebene und inszenierte Stück "Ein Gespenst namens Zukunft" erhalten.

Kulturjournal, 16.02.2012

Sie sind jung, sie sind ehrgeizig, hochmotiviert und talentiert, sie haben unzählige Ausbildungen, Praktika und Workshops absolviert, Nachwuchswettbewerbe gewonnen, im Ausland gearbeitet, Kontakte geknüpft und ihr Lebenslauf umfasst mehrere Seiten - nur unter "derzeitige Art der Beschäftigung" steht: arbeitslos. Sie sind viele - und ihre Generation hat den Namen "Praktikum" bekommen. Valerie Kattenfeld ist eine von ihnen.

"Ich möchte mir gar nicht ausrechnen, wie viele unbezahlte und unterbezahlte Arbeitsstunden ich bis jetzt geleistet habe", sagt sie. "Es ist nicht leicht, in dem Bereich Fuß zu fassen, und es dauert irrsinnig lang, bis man angemessen bezahlt wird." Und manchmal wartet man darauf ein Leben lang, wie die unzähligen prekären Beschäftigungsverhältnisse in der freien Szene zeigen.

Der Preis als "Rückenwind"

Valerie Kattenfeld hat wie so viele Theaterwissenschaft studiert, als Pressesprecherin, als Performerin, als Dramaturgin, Regieassistentin, Journalistin und Filmemacherin gearbeitet und ist 27 Jahre alt. An Erfahrung mangelt es ihr nicht. Manchmal führen die Erfahrungen, die man beim Erfahrung-machen so sammelt, zu einer Idee für ein neues Stück.

Bedeutet Erwachsen-werden, einen ewigen Kompromiss einzugehen oder darf man auch rücksichtslos glücklich sein? Das ist die zentrale Frage von Kattenfelds Stück "Ein Gespenst namens Zukunft", das nun mit dem Jungwild-Preis ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die mit dem Erwartungsdruck ihrer Umwelt zurechtkommen muss.

Das Stück sei nicht autobiografisch, betont Valerie Kattenfeld immer wieder, auch wenn der Titel programmatisch für ihr Leben klingt. Der Preis - 8.000 Euro - ist zumindest einmal etwas Handfestes, das man dem wabernden Gespenst Zukunft entgegenhalten kann. "So einen Preis zu gewinnen, gibt einem Rückenwind", sagt Kattenfeld. Der Preis sei eine Art Qualitätssiegel mit Dominoeffekt. Förderungen und Verlagsveröffentlichungen folgten. "2011 war für mich ein großer Aufwind, schauen wir mal, ob's auch anhält."

Textfassung: Ruth Halle

Service

Ö1 Club-Mitglieder bekommen im Dschungel Wien ermäßigten Eintritt (EUR 1,-).

Dschungel Wien - Ein Gespenst namens Zukunft