Schimons Schweigen

Die Bewohner des Vielvölkerstaates Israels wünschen sich Frieden, sind aber so tief in ihrem jeweiligen Lagerdenken verhaftet, dass der Friede eine Utopie bleibt. Davon schreibt der Salzburger Autor Vladimir Vertlib in seinem neuen Roman "Schimons Schweigen".

Kultur aktuell, 22.03.2012

Eine Lesereise nach Israel ist die Rahmenhandlung dieses autobiografischen Romans. Der namenlose Ich-Erzähler sucht auf dieser Reise auch seine eigene jüdische Geschichte und er besucht Schimon, den Jugendfreund seines mittlerweile verstorbenen Vaters. Auch arabische und christliche Bekannte hat der Ich-Erzähler, und das sei durchaus realistisch, so Vladimir Vertlib. Juden und israelische Araber sind in Israel zum Beispiel Arbeitskollegen und nicht selten auch befreundet.

Sehnsuchtsort Israel

Israel - besonders für den Vater war das Land, von Russland aus betrachtet, ein Sehnsuchtsort. Doch er wird dort nicht heimisch und die Familie bricht wieder auf. Einige der weiteren Stationen sind Amerika und Österreich. Zwölf Umzüge notiert der Sohn. In Israel geblieben sind die meisten Verwandten und Freunde der Familie. Viele von ihnen sind der Ansicht, dass sich Israel aus den besetzten Gebieten zurückziehen solle, sagt Vladimir Vertlib.

Auch österreichische Zeitgeschichte spiegelt sich im Roman "Schimons Schweigen". Der jüdische Ich-Erzähler ist in den 80er Jahren Student der Volkswirtschaft in Wien und erlebt in der "Ära Waldheim", wie der Antisemitismus auch in Vorlesungen wieder salonfähig wird.

Viele scharfsinnige Beobachtungen und Analysen finden sich in diesem Buch, das uns eine Idee davon gibt, wie es sich anfühlt, ein Migrant zu sein, und überall, wo man hinkommt, im "Hinterhof der Gesellschaft" neu anfangen zu müssen.

Textfassung: Ruth Halle

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Vladimir Vertlib, "Schimons Schweigen", Deuticke