Brennende Kunst

Zu einem sehr ungewöhnlichen Mittel hat ein Museumsdirektor in Italien gegriffen, um auf die Finanzprobleme seiner Institution aufmerksam zu machen. Antonio Manfredi hat diese Woche begonnen, Stück für Stück die Kunstwerke seines Museums zu verbrennen.

Drei Mal die Woche je ein Stück - so lange, bis entweder alle weg sind - was aber bei rund tausend Stück dann doch eine Weile dauert -, oder aber bis sich doch noch Geld für das Museum findet.

Kulturjournal, 20.04.2012

Antonio Manfredi ist Kummer gewohnt. Als Chef des Casoria Contemporary Art Museum, kurz CAM, kämpft er gegen Ignoranz, Bedrohung durch die Mafia und jetzt auch noch gegen die Finanznot. Casoria ist eine Vorstadt von Neapel, hier ist Camorra-Land. Als Manfredi eine Ausstellung zum Thema Camorra und Gewalt hier organsiert hat, kommen gleich sehr eindeutige Warnungen.

"Als wir die Ausstellung über die Camorra hier organisiert haben, haben wir eine Serie von Drohanrufen bekommen", erzählt Manfredi. "Es wurde uns nahe gelegt sofort aufzuhören. Sie sagten: Wir werden wohl bewaffneten Schutz brauchen."

Und auch die Politik der Region hat eher gegen das Museum gearbeitet als dafür - man will hier eben keine Störenfriede, die Themen wie Mafia und Korruption ansprechen.

"Opfer zum Wohle von Kunst und Kultur"

Und so kann sich das CAM wohl auch nicht erwarten, dass die Politik jetzt ausrückt, um finanziell zu helfen, denn dem Museum fehlt an allen Ecken und Enden Geld. Vergebens hat man sich in Italien selbst wie auch international um Mittel bemüht.

Ein Acrylbild der französischen Künstlerin Séverine Bourguignon mit dem Titel "La Promenade" war das erste Werk, das der Direktor Antonio Manfredi in Brand gesteckt hat. Manfredi spricht von einem "Opfer zum Wohle von Kunst und Kultur": "Es ist schrecklich, ein schlimmer Anblick, aber wir sind davon überzeugt, dass diese Aktion uns endlich einen Ausweg möglich macht. Und die Institutionen aufweckt, die lokalen aber auch die nationalen." Es sei besser die Werke selbst zu zerstören, denn die Gleichgültigkeit der Institutionen würden sie sowieso zerstören, so Museumsdirektor Manfredi weiter.

Künstler und Künstlerinnen eingebunden

Ein geschickter Schachzug war es auch, die Künstler und Künstlerinnen in die Aktion einzubeziehen. Sie haben nicht nur ihre Zustimmung gegeben, sondern sind sogar selbst dabei - entweder vor Ort, oder über das Internet zugeschaltet.

Das bis jetzt nicht subventionierte Museum ist auf einer Fläche von etwa 3.000 Quadratmetern in einer ehemaligen Schule entstanden. Rund 1.000 Kunstwerke von Künstlern aus über 60 Nationen sind hier zu sehen.

Wankende Leuchttürme

Die moderne Kunst scheint in Italien im Moment insgesamt in der Krise zu stecken. Schon traditionell steht man hier allem Modernen aus der Welt der Kunst und Kultur eher skeptisch gegenüber. Da sind dann Museen wie das Maxxi in Rom wahre Leuchttürme der modernen Kunst. Doch auch dieser Leuchtturm wankt und hat schwere finanzielle Probleme. Die Stiftung Maxxi, die das Museum verwaltet, hat elf Millionen Euro Schulden. Jetzt hat das Ministerium die Notbremse gezogen und wird das Museum unter Aufsicht eines Sonderverwalters stellen und die Stiftung auflösen.

Diese reagiert empört und verweist darauf, dass man ohnehin die Hälfte der Kosten aus den laufenden Einnahmen decken könne - die hohen Schulden seien durch die drastische Kürzung der Subventionen entstanden.

Auch viele weitere Museen moderner Kunst in ganz Italien kämpfen mit Finanzproblemen. Ein Dachverband, der 27 Einrichtungen vertritt, will jetzt einen Termin bei Regierungschef Mario Monti, um ihn von der Dimension des Problems selbst zu informieren.

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