Scholz: "Als Schulreferent untragbar"

"Tetschn": Rücktrittsaufforderung an Scheuch

Die Aussage von FPK-Chef Uwe Scheuch, es wäre gut, wenn Lehrer hie und da "eine kleine Tetschn" geben, war ein "Tiefpunkt der aktuellen Bildungsdebatte". So lautet das Urteil des ehemaligen Wiener Stadtschulratspräsidenten Kurt Scholz. Er hält Scheuch als Schulreferenten in Kärnten für untragbar.

Morgenjournal, 16.5.2012

"Unerträglich"

Kurt Scholz ist Mitglied der Klasnic-Opferschutz-Kommission und beschäftigt sich dort mit Gewalt an Kindern und ihren Folgen. Im Ö1-Gespräch weist Scholz darauf hin, dass seit 1870 die körperliche Züchtigung im Schulwesen in Österreich verboten sei. Der Inhalt des damaligen Reichsgesetzblattes sei 1974 nur wiederverlautbart worden. "Und seither ist diese Debatte unter zivilisierten Menschen unerträglich", so Scholz.

Es seien im Übrigen liberale Politiker gewesen, die das ursprüngliche Verbot durchgesetzt haben, sagt der ehemalige Wiener Stadtschulratspräsident. Und diese "Rohrstaberldebatte im 21. Jahrhundert" zeige, wie wir sich Vertreter des rechten Lagers vom Liberalismus verabschiedet hätten. Das sei ein "trauriger Tiefpunkt" der Bildungsdebatte.

Rücktrittsaufforderung

Der Chef der Kärntner Freiheitlichen Uwe Scheuch hat gestern allerdings versucht, sich von seiner Forderung nach der "gsunden kleinen Lehrertetschn" zu distanzieren. Eine "Tetschn" sei keine "Watschn", er sei nicht für Gewalt. Kurt Scholz: "Was ist das denn anderes als Gewalt, wenn ein Erwachsender ein Kind schlägt? Genau mit diesen Relativierungen führt man ja die 'gsunde Watschn' wieder ein." Daraus folgt für Scholz die Rücktrittsaufforderung für den in Kärnten für das Schulwesen zuständigen Landeshauptmannstellvertreter Scheuch: "Menschen, die die 'gsunde Watschn" wieder einführen wollen, haben im Bildungswesen nichts zu suchen und sollten sich ein Lichtjahr von Erziehungsfragen fernhalten. Am besten wär's, wenn der Betroffene selbst diese Konsequenz zöge."

Mehr Schulpsychologen

Inhaltlich meint Scholz, eine "Watschn" oder "Tetschn" sei doch nur ein Ausdruck von Hilflosigkeit der Erwachsenen. Den Lehrern seien die Konsequenzen sehr wohl bewusst: "Wenn einem Lehrer, wie man beschönigend sagt, 'die Hand auskommt', dann hat das eine klare dienstrechtliche Konsequenz." Als Alternative für den Umgang mit schwierigen und pubertierenden Kindern sieht Scholz vor allem die Schulpsychologie. Die mangelne Ausstattung mit derartigen Schulpsychologen sei eine "Affenschande". Dass Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) ein Mehr an Schulpsychologen und Sozialarbeiterinnen angekündigt hat, begrüßt der ehemalige Stadtschulratspräsident. Nur müssten dem nun auch Taten folgen.