Protest gegen neuen russischen Kulturminister

In der russischen Kulturszene wächst der Protest gegen den neuen Kulturminister. Der Historiker Vladimir Medinski ist bisher durch sehr nationalistische Positionen aufgefallen, und durch den Vorwurf, dass er seine Doktorarbeit abgeschrieben haben soll.

Kultur aktuell, 29.05.2012

"Wir dürfen nicht zulassen, dass in den Köpfen von Schulkindern eine Vielfalt der Meinungen entsteht" - das ist eines der bekanntesten Zitat von Wladimir Medinski, Historiker und umstrittener Buchautor, der vergangene Woche zum neuen russischen Kulturminister ernannt wurde.

Zur Kultur hatte Medinski bis dahin kaum Beziehungen, bekannt wurde er durch eine Serie von Büchern in denen er sich mit den sogenannten Mythen über Russland auseinandersetzt: Etwa dass die Russen trunksüchtig und faul seien. Stimmt alles nicht, argumentiert Medinski, das sei alles nur Hetzpropaganda des Auslandes - übrigens auch in seiner Doktorarbeit, die, das zeigen Prüfungen von Experten, über weite Strecken abgeschrieben sein dürfte.

Seine "Aufklärungsarbeit" will Mdinski als Minister fortsetzen: "Das Kulturministerium ist in Wirklichkeit das wichtigste Ministerium. Was ist denn Kultur? Das Rückgrat der Nation, des Volkes des Staates! Ich sehe meine Hauptaufgabe darin die Kulturschaffenden bei der Durchführung der staatlichen Kulturpolitik zu unterstützen."

"Kein Kultur- sondern ein Propagandaminister"

Für viele Künstler und Kulturschaffenden klingt das wie eine gefährliche Drohung. Der Politologe Andrei Piontkowski kommentiert die Ernennung so: Medinski sei kein Kulturminister sondern ein Propagandaminister in der Art von Goebbels im "3. Reich".

Die Ernennung des 32-jährigen sei ein Signal des neuen Präsidenten Putin kommentiert der Journalist Konstantin Eggert im Radio Kommersant FM: "Die Ernennung ist ein Symbol was die Obrigkeit von der ihr verhassten geschwätzigen Intelligenz hält, von Komponistlein, Schriftstellerchen und anderen Nichtstuern. Euch hat der alte Minister nicht gefallen? Dann bekommt ihr Medinski mit seinen Büchern wie der heimtückische Westen jahrhundertelang unsere große Heimat betrogen hat: Gibt es Fragen? Wohl besser nicht!"

Veränderte Geschichte

Zuletzt war Medinski Mitglied der berüchtigten Kommission zur Verhinderung der Fälschung der Geschichte. Zitat des früheren Präsidenten Dmitrij Medwedew, der die Kommission eingesetzt hat: "Wer die Rolle der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg in Frage stellt wird bestraft."

Erst vor wenigen Wochen machte Medinski mit der Behauptung von sich reden die baltischen Staaten seien vor dem zweiten Weltkrieg von Stalin nicht gewaltsam besetzt worden sondern friedlich in die Sowjetunion eingegliedert.

Für den liberalen Politiker Boris Nemzow ein Skandal: "Das Kulturministerium wird jetzt zum Wahrheitsministerium, in dem die Geschichte unseres Landes umgeschrieben wird und zwar so wie er sie interpretiert. Die Wahrheit spielt für ihn keine Rolle."

Bekannt ist auch ein anderes Medinski-Zitat: "Stalin wusste noch, wie Gehirnwäsche funktioniert. Jetzt geht alles in Richtung Laissez-Faire und der Nutzen davon ist natürlich, geringer als Null." Zitat Ende. Eine Politik, die der neue Kulturminister offenbar ändern soll.