Sachwalterschaft: Seniorenbund für Reform

Der ÖVP-Seniorenbund unterstützt Behindertenvertreter und die Sprecher aller Parlamentsparteien bei einer tiefgreifenden Reform des Sachwalterrechts. Die Pensionistenvertreter wollen konkret, dass die Sachwalterschaft für ältere Menschen durch eine Alterswohlfahrt ersetzt wird.

Morgenjournal, 5.6.2012

"Problem brennt unter den Nägeln"

So wie sich die Jugendwohlfahrt um das Wohl von in Not geratenen Kindern kümmern soll, soll das die Alterswohlfahrt für betagte Menschen tun. Diese Alterswohlfahrt soll die Sachwalterschaften ersetzen, so die Forderung der ÖVP-Abgeordneten und Seniorenbund-Obmann-Stellvertreterin Gertrude Aubauer: „Keine Sachwalterschaft in der derzeitigen Form - das Problem brennt wirklich unter den Nägeln." Es gebe immer mehr ältere Menschen und immer mehr Probleme, sagt Aubauer. "Wir müssen hier sofort eine Neuregelung schaffen."

Kritik an Rechtsanwälten

Die ÖVP-Seniorensprecherin kritisiert, dass sich vor allem Rechtsanwälte als Sachwalter oft zu wenig um die der Probleme der betroffenen alten Menschen kümmern: "Rechtsanwälte entscheiden über Rechtsgeschäfte, aber sie können nicht über die ganz wichtigen Fragen wie Pflege, Gesundheitsversorgung, mehr Hilfsmittel oder Therapie entscheiden." Viele ältere Menschen würden beklagen, dass sie viel zu wenig Geld für gesundheitsfördernde Maßnahmen bekommen. Da liege es wirklich im Argen, so Aubauer, deshalb brauche es unbedingt eine Neuregelung.

Steigende Zahl an Beschwerden

Zuletzt hatte auch Volksanwältin Gertrude Brinek die Einrichtung einer Alterswohlfahrt gefordert. Sie hat auf eine steigende Zahl an Beschwerden von Betroffenen hingewiesen, die sich entmündigt und von ihren Sachwaltern schlecht behandelt fühlen. In der Alterswohlfahrt, so die Forderungen, sollten Sozialarbeiterinnen, Pflegeexperten und Juristen zusammenarbeiten und sich um die rechtlichen und pflegerischen Bedürfnisse der Betroffenen kümmern.

Zur Kritik an den Rechtsanwälten heißt es aus dem Justizministerium, dass viele Anwälte ihre Aufgabe hervorragend wahrnehmen würden. Ein Problem sei, dass manche sehr viele - nämlich bis zu 25 - Sachwalterschaften betreuen. Aber der Justiz fehle das nötige Geld zur ausreichenden Finanzierung von Vereinen, die speziell ausgebildete Sachwalter beschäftigen.