Österreichs Beitrag zur Biennale Venedig

Mathias Poledna heißt der Künstler, der Österreich bei der nächsten Kunstbiennale in Venedig im Juni kommenden Jahres vertreten wird. Das hat Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) bekanntgegeben.

Mittagsjournal, 20.6.2012

Etablierter Künstler

Ausgewählt hat den 1965 geborenen Wiener, der seit 2000 in Los Angeles lebt, der Kurator des Österreich Pavillions, Jasper Sharp. Mathias Poledna setzt sich in seinen Kunstwerken rigoros mit dem Medium Film auseinander. Seine Arbeiten sind in großen Sammlungen zu finden, wie im Museum of Modern Art New York, dem Whitney Museum of American Art oder im Stedelijk Museum in Amsterdam.

In Österreich wenig bekannt

Ein braver Applaus folgte auf die heutige Verkündigung. Das Werk von Mathias Poledna ist in Österreich noch relativ unbekannt. Abgesehen von den wenigen Soloausstellungen im Grazer Kunstverein 2001, im mumok 2003 oder in der Galerie Meyer Kainer waren seine Arbeiten hierzulande kaum zu sehen.

Filmische Feinstrukturen

Den Hoffman-Pavillion in den venezianischen Giardini sieht Matthias Poledna als leeres, wenngleich nicht unbeschriebenes Blatt. Er freue sich, nun darüber nachdenken zu dürfen.
Bisher ist also alles offen. Was man sich aber in Hinblick auf frühere Arbeiten eventuell erwarten darf: einen 35mm-Film wie "Crystal Palace", der 2009 von drei US-amerikanischen Museen in Auftrag gegeben wurde und der - im Regenwald von Papua Neuginea gedreht - durch seine Bewegungslosigkeit besticht, in der nur feine Änderungen des Lichts und zarte Bewegungen der Blätter das Verstreichen der Zeit andeuten. Dazu läuft ein dichter vor Ort aufgenommener Soundtrack, der schwankt zwischen Insektengeräuschen und Vogelgezwitscher und diese zu einem großen Summen vermischt.

Oder: ein Film wie "Double Old Fashion", der ab Herbst im Stedelijk Museum in Amsterdam zu sehen sein wird: Hier sieht man von Adolf Loos gestaltete Trinkläser auf schwarzem Grund, die sich scheinbar schwerelos im Raum bewegen. Dabei ergeben sich stets verändernde Lichtreflexionen auf der Oberfläche der Trinkgefäße. Kurz: zu erwarten ist ein Österreich-Beitrag, der sperrig werden könnte oder wunderbar poetisch, man darf gespannt sein.

Vorbereiten auf Venedig

Als Vorbereitung wird man in Wien schon vor der Eröffnung der Biennale eine Poledna-Ausstellung in der Secession sehen können. Kurator Jasper Sharp kündigt anlässlich der 55. Kunstbiennale ein Begleitbuch an, in dem die über 100 jährige Geschichte Österreichs auf der Biennale dokumentiert wird.

Bevor die Architekturbiennale, die im Zweijahresrhythmus in Venedig stattfindet, im September den Österreich-Pavillion in Beschlag nimmt, werden Jasper Sharp und Mathias Poledna demnächst nach Venedig reisen, um in dem noch leeren Pavillion ihre eigenen Konzepte für die Kunstbiennale auszuarbeiten.