Günter Tischler, Regionalentwickler

Wenn ich vom Essen vollgeschlagen bin und ich hör dann noch die Musik dazu - hervorragend. Ich schlafe eine dreiviertel Stunde, dann trinke ich meinen Kaffee, so habe ich meinen Tag super geteilt - und da gehört Ö1 eben auch dazu.

Wenn ich hier das Kastl ausschalte, dann hör gerade einmal ich die Grillen. Ich hab dieses Haus seit fünf Jahren, ein ehemaliges Kellerstöckel. Am Anfang war ich die Stille nicht gewohnt, gerade beim Schlafen, weil ich in Graz an der Hauptverkehrsstraße immer mein Rauschen hab, die Feuerwehr oder die Rettung fährt vorbei … Diese - wie sagt man? - "Stadtmusik".

Ich könnte auch sagen, ich hab immer 60 dB um die Ohren. Dann war ich die ersten Nächte da heraußen, ohne Geräusche. Ab und zu ein Waldkauz, sonst nichts. Ich hab fast nicht schlafen können, so ruhig war es. - Es ist ja paradox: Ich hab mir extra so ein Refugium zugelegt, damit ich allein bin, und dann hol ich mir diese Wellen herein, damit ich doch nicht ganz allein bin.

Radio ohne Werbung

Ich war längere Zeit in Berlin. Dort hab ich meistens SFB (Sender Freies Berlin; Anm.) gehört. Das war total angenehm, die haben nie Werbung gehabt. Dann, zurück in Österreich, hörst du einen kommerziellen Sender, und die hämmern dir die Sachen hinein, so laut und aggressiv und schnell - und so witzig immer, gelt? Da ist dann eigentlich nur mehr Ö1 übrig geblieben.

In Graz wohne ich im siebenten Stock im Beton. Ich bin aber auf dem Land aufgewachsen, daher hab ich so einen Drang gehabt zu dieser Situation hier. Da heroben mache ich Arbeiten, wo ich sehr schnell einen Erfolg oder Misserfolg sehe. Die Pflanzen hat die Wühlmaus gefressen, der Hagel hat den Wein zusammengehaut, oder ich hab die Bäume schlecht geschnitten - das ist sofort greifbar. In Graz habe ich einen Job, wo ich mit Papier herumkämpfe, und der Politiker wirft es dann in die Schublade - okay, das ist halt so, aber man wartet oft jahrelang auf ein Erfolgserlebnis. Und da hab ich es sofort: Wenn ich Holz hacke und ich krieg diesen Apfelbaumstumpf auseinander: super!

Richtig Radiohören tu ich hier. In Graz nur Informationen oder so, in der Früh vor allem. Am Abend, wenn ich nicht irgendwo in der Stadt versumper', schau ich eher in die Glotze. Das ist leider so. Obwohl am Abend klasse Programme sind.

Einige Jahre war ich auch Ö1 Club-Mitglied und hab jeden Monat gehört bekommen. Aber ich war dann zu faul, dass ich alles durchlese, weil ich ein schlampiger Hund bin. Wirklich. Wenn ich am Abend so eine Zeitung ins Bett mitnehme, dann schlaf ich sofort ein. Ich komm ja manchmal nicht einmal dazu, den Standard anständig durchzulesen. Vielleicht weil ich so ein bisschen oberflächlich bin.

Ich bin irrsinnig froh, dass Ihr diese Downloads habt. Ich geh manchmal zu einem Kollegen im Büro und sag: "Hast du das gehört? Das brauchen wir. Lad das runter." In meinem Büro in Graz wird nicht geraucht und nicht Radio gehört. Das ziehen die Burschen strikt durch. Einen Stock höher, in einem anderen Büro, hat ein Kollege dauernd Ö1 laufen. Dann frag ich ihn: "Was tust du jetzt? Arbeiten oder Radio hören?" - Bei mir geht das nicht so nebenbei.

Schlafen beim "Viel-zu-früh-Journal"

Das Mittagsschlaferl geht, weil ich nicht so den Zugang zu klassischer Musik hab. Das ist für mich schon eine schöne Musik, nur steigere ich mich da nicht hinein, ich konsumier das halt so - und kann dabei super schlafen. Auch beim Frühjournal. Der Tag fängt bei mir mit Hubert Arnim-Elissen an. Einmal hat er gesagt: "Das Viel-zu-früh-Journal" - herrlich! Ich höre dann gern den Wetterbericht, denn ich geh zu Fuß ins Büro oder fahr‘ mit dem Radl - da will ich natürlich schon wissen, was los ist … Ich will mich also noch konzentrieren, dass ich nicht bei Graz wieder einschlafe - aber bei Bregenz bin ich schon weg. Aber dann kommt das Wetter eine halbe Stunde später eh wieder, das ist lässig.

Nach dem Mittagsschlaferl mach ich mir meinen Kaffee. Und dann geh ich spazieren. Schau, was sich da getan hat, und seh‘, was ich noch alles an Arbeit hätte. Dann denk ich mir: Gut, schneid ich halt Brennholz für den Winter, kann nicht schaden. Wenn ich wieder herein komm, hör ich meistens das Journal um fünf. Später gibt es dann das Kulturjournal, das Journal Panorama, das Europajournal. Das sind tolle Magazine, die mir manchmal auch beruflich was bringen.

In Graz hab ich Ohrstöpsel zum Hören. Die brauch ich hier nicht, weil ich niemanden störe. Ich hab hier im Wohnzimmer ein Radio und dort beim Bett hab ich noch so ein Kist'l. Es passieren ja manchmal so witzige Sachen. Da häng ich am Radio und hab einen schleißigen Empfang, und dann spielt der slowenische Sender die Lustigen Oberkrainer auch noch hinein - super. Je nachdem, wie die Wurfantenne hängt, so ist halt der Empfang. Es hängt wahrscheinlich auch vom Wetter ab.

Und weil ich hier eben manchmal schlechten Empfang habe, hat mir meine Frau heuer zu Weihnachten ein neues Radio geschenkt. Aber dieses neue, teure Gerät findet - digital - den Sender nicht. Der stottert immer so dazwischen. Da müsste ich eine Antenne kaufen, die gleich teuer ist wie das Kastl. Ich verwende es jetzt halt zum Abspielen von CDs.

Ein Achterl gegen die Mieselsucht

Es gibt Leute, die sind so konsequent und trinken am Vormittag Leitungswasser. Da herunten in der Weststeiermark macht das, glaub ich, keiner. Wenn ich am Vormittag sehr durstig bin, trinke ich einen leichten Most, den ich stark verdünne. Auch Ö1 hört man nach einem Achtel besser - auch wenn das Programm noch so mieselsüchtig ist.

Ö1 könnte, ohne dass es jetzt nur in Richtung reiner Unterhaltung geht, ein bissl mehr Lebensfreude vermitteln. Das Leben besteht aber auch nicht nur aus schönen Opern. Deshalb schätze ich ja Diagonal so sehr. Ich hab mich oft geärgert, wenn ich hier bin und Leute treffe, und dann ist es schon sechs oder halb sieben und ich merke, ich hab Diagonal versäumt. Besonders wenn es ein "Stadtporträt" ist. Aber seit es "7 Tage Ö1" gibt, ist das auch kein Problem mehr.

Am Samstag, da komm ich mir oft extrem privilegiert vor, wenn sie aus der MET eine Oper übertragen. Ich verstehe wirklich nichts von Opern, aber das ist einfach für mich ein tolles Gefühl, da zu sitzen, in der Wildnis, und aus der MET eine Übertragung zu hören.

Da gibt es diese berühmte Oper, Mittsommernachtstraum, glaub ich, heißt sie, von Benjamin Britten. Ein Schlüsselerlebnis war für mich, als ich da gesessen bin, es war schon Abend und die Grillen haben gezirpt - und dazu diese tolle Oper. Und ich schau dabei hinaus in die Natur! Das kannst du in der Oper mit der schönsten Kulisse nie, nie produzieren.

Service

gehört.gesehen - Lukas Beck fotografiert Ö1 Hörerinnen und Hörer

Lukas Beck