Die Königin ist tot

"Die Königin ist tot" ist der Titel des neuen Romans der österreichischen Schriftstellerin Olga Flor, ein Roman über das Machtstreben einer jungen Frau, über Verschwörungen und Intrigen innerhalb eines Medienimperiums.

Bereits mit ihrem Debütroman "Erlkönig" sorgte die 1968 in Wien geborene Flor 2002 für Aufsehen, im darauffolgenden Jahr nahm sie am Ingeborg Bachmann Wettbewerb in Klagenfurt teil. Ihr letztes Werk "Kollateralschaden" war 2008 für den deutschen Buchpreis nominiert. "Die Königin ist tot" ist nun eine Neuinterpretation von Shakespeares "Macbeth".

Kulturjournal, 22.8.2012

Es ist ein düsteres Szenario, in dem Olga Flor ihren Roman "Die Königin ist tot" angesiedelt hat: soziale Unruhen und Plünderungen, Verschwörungen und politische Intrigen.

Eine junge Frau flüchtet in naher Zukunft aus dem von der Wirtschaftskrise gezeichneten Europa in die USA. Die Mittel, die ihr zur Verfügung stehen: ihr Körper, Sex als Mittel zum Zweck. Sie heiratet einen Medienmogul, schläft sich in der gesellschaftlichen Hierarchie nach oben.

Dabei sind für Flor in der heutigen Gesellschaft Medienunternehmen die eigentlichen Zentren der Macht. Interpretation und Verbreitung seien der springende Punkt, heißt es da, die Deutung und Verkündung der Frohbotschaft als das Hoheitsgebiet der Medien.

Lilly als Lady Macbeth

Duncan, der König - ein Medienmogul, mit offensichtlichen Parallelen zu Rupert Murdoch oder Silvio Berlusconi - trägt dabei nicht zufällig denselben Namen wie der Regent aus Macbeth: Das Shakespeare-Drama war für Olga Flor inhaltlicher Ausgangspunkt für ihren Roman, mit der Figur der Lady Macbeth im Zentrum.

In ihrem Roman, mit Lilly als Lady Macbeth, dreht Flor den Spieß um: Anfangs passiv, entschließt sich die junge Frau genau in der Mitte der Erzählung zu handeln.

Es folgen Verschwörung und Königsmord. Der gesamte Roman ist als eine Abfolge von Erinnerungen der jungen Frau geschrieben. Fragmentarisch, mit Sprüngen auf der Zeitebene, muss sich der Leser erst nach und nach orientieren.

Bezüge zur Realität nur angedeutet

Sprunghaft auch der Wechsel zwischen den Schauplätzen - ein Luxusappartement in einem Turm, ein Haus am Meer - hermetische Orte in einem Umfeld, das eine permanente Bedrohung ausstrahlt. Der Rückzug ins Private, die Abschottung der Entscheidungsträger. Dabei hängt über den politischen Machtspielen im Roman - wie eine Dunstglocke - permanent ein Hauch von Tea Party. Parolen vom rechtesten Rand der Republikaner.

Soziale Unruhen, Massenproteste. Die sich weiter öffnende Schere zwischen den sozialen Schichten - wie im Roman belässt es Flor auch im Interview bei kurzen Verweisen auf Hintergründe, Bezüge zur Realität - auch zur österreichischen - als Andeutungen zwischen den Zeilen.

"Wer alt genug ist zum Einbrechen, ist auch alt genug zum Sterben" hieß es in der "Kronenzeitung", als ein 14-jähriger Kremser bei einem Polizeieinsatz im August 2009 erschossen wurde.

So schreibt Olga Flor in "Die Königin ist tot", ein Roman, der sich vor allem zu Beginn wie eine negative Utopie liest, die nur an der Oberfläche dahinschlittert, letztlich der Realität aber oft bedenklich nahe kommt.

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