Gefangen in Konfliktritualen

Beziehungsdrama "Mutter und Sohn"

Eine Mutter, die ihren bereits erwachsenen Sohn nicht loslassen kann, steht im Mittelpunkt des rumänischen Films "Mutter und Sohn". Doch längst brodelt es gewaltig zwischen den beiden.

Mit diesem Drama hat der rumänische Regisseur Calin Peter Netzer heuer bei der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen und setzt damit den internationalen Erfolg des rumänischen Kinos fort.

Mutter und Sohn

(c) X Verleih

Eltern wollen oft nur das Beste für ihre Kinder, doch meistens wollen sie damit nicht zuletzt das Beste für sich selbst, auch wenn sie es weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick erkennen. Einen derartigen Fall hat sich der rumänische Regisseur Calin Peter Netzer in seinem Film "Mutter und Sohn" vorgenommen. Da kümmert sich eine Mutter in Rumänien mit zwanghafter Liebe um ihren längst erwachsenen Sohn, es ist eine Mutterliebe wie ein Gefängnis, aus dem der Sohn vor allem mit verbalen Grobheiten immer wieder den Ausbruch versucht.

Eigene Familienerfahrungen

Dann verschuldet der Sohn mit überhöhter Geschwindigkeit einen Verkehrsunfall. Ein 14-jähriger Teenager wird dabei getötet. Ein klarer Fall für die Mutter, die ihre persönlichen Beziehungen spielen lässt, um das juristische Unheil abzuwenden.

Doch dieser Unfall ist für Regisseur Netzer vor allem ein Vehikel, um das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn psychologisch durchzuarbeiten, ein Verhältnis, das Netzer aus eigener familiärer Erfahrung kennt: "Ich habe versucht, mit diesem Film zum Teil auch das Verhältnis zu meiner eigenen Mutter zu beschreiben und besser zu verstehen."

Skizzen aus der Oberschicht

Zwischen Bevormundung, Machtausübung und einseitiger Abhängigkeit schwankt diese Beziehung, zwischen Schutz, Rebellion, Bequemlichkeit und Respektlosigkeit, gegossen in die immer wieder gleichen Konfliktrituale. Doch so sehr Netzer den Fokus auf Zwischenmenschliches legt, so beiläufig, aber nicht minder prägnant skizziert er das gesellschaftliche Umfeld der Oberschicht. Eine schwelgerische Geburtstagsparty, deutsche Luxuskarossen, man geht in die Oper, pflegt Bekanntschaften zur politischen Klasse und verwechselt gesundes Selbstbewusstsein mit Arroganz und der Selbstverständlichkeit von Korruption. All das trägt der Regisseur betont realistisch vor.

Selbstverantwortung

Am Ende steht ein Anfang. Der Weg von Verantwortung und Selbstverantwortung, auch für den tödlichen Unfall, mag unbequem sein, doch es ist der einzige Weg zur Selbstbestimmung. So musste ein Sohn sterben, damit ein anderer endlich zu leben beginnen kann.

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