Grüne: Anteil der Bio-Bauern verdoppeln

Das Bienensterben und die gegen alle Widerstände nun doch gelingenden Pestizidverbote haben die Landwirtschaft ins politische Rampenlicht gerückt. Jetzt rufen die Grünen rufen nach einer wahren Agrarwende: Sie wollen den Anteil der Biobauern in Österreich bis 2020 verdoppeln und sehen das auch als eine Art Koalitionsbedingung.

Mittagsjournal, 25.5.2013

Zeit reif für mehr Bio

Im Sog der Bienenschutz-Debatte machen die Grünen jetzt politisch Druck. Parteichefin Eva Glawischnig formuliert das Ziel: "Bio verdoppeln in Österreich. Wir wollen 40.000 Biobetriebe in den nächsten Jahren. Wir wissen, dass es hier große Bereitschaft und großes Interesse gibt. Wir glauben, dass die Zeit dafür reif ist."

Denn die Sorge um sichere Lebensmittel beschäftige breite Schichten der Bevölkerung und sei eine wesentliche politische Frage geworden, so Glawischnig: "Für uns ist die Verdoppelung des Biobanteils fixes Programm und wäre auch nach einer Nationalratswahl wesentlicher Bestandteil von möglichen Verhandlungen oder allfälligen Koalitionsbildungen."

2014 neue Förderungsregelung

Rudi Vierbauch, der Obmann von Bio Austria - dem Zusammenschluss von 13.000 Biobauern und -bäuerinnen - meint, dass mit der Verdoppelung eine neue Dynamik auf dem Bio-Sektor entstehen könnte. Das zeige das Beispiel der Molkereien, die derzeit nur zu 17 Prozent Milch aus biologischer Produktion verarbeiten. Vierbauch: "Mit so einem Anteil von 17 Prozent gehen natürlich Innovation, Produktentwicklung, PR-Maßnahmen ganz klar in den kommerziellen Bereich. Es rentiert sich nicht für die Bearbeitungs- und Verarbeitungsbetriebe in den Biobereich zu investieren."

Ein höherer Bio-Anteil würde das ändern, sagt Vierbauch. Die Weichen dafür könnten 2014 gestellt werden, da beginnt die neue sieben-jährige Periode der EU-Agrarpolitik, die die Förderungen regelt.

Bauernbund: "Ja, aber..."

Der Obmann des ÖVP-Bauernbundes Jakob Auer ist prinzipiell dafür: "Ab 2014 soll der Umstieg wieder möglich sein, an uns wird das sicher nicht scheitern."

Bauernbundchef Auer: "Aber nur, wenn der konventionellen Produktion nichts weggenommen wird: "Ein Wunschkonzert, dass sie es einfach der anderen Gruppe wegnehmen, damit es die eine kriegt, das wird zu wenig sein. Wenn man mir sagt, wo man zusätzliche Mittel kriegt, habe ich also kein Problem." Bio sei schön und gut, aber auch teuer für die Konsumenten - das müsse man dazusagen, so Jakob Auer: "Man muss wissen, dass sich die Kosten für den Konsumenten von zirka 1.500 pro Jahr zu Buche schlagen und wie man dann derartige Prämienmarken, einer alleinerziehenden Mutter, einem Mindestpensionisten verklickern kann, das frag ich mich."

Neue junge Biogeneration

Bio-Austria Obmann Vierbauch hält dagegen: "Dann werden wir wohl so geschickt sein, dass wir diese Chance nutzen, auf diesen sehr boomenden europäischen Biomarkt mit hochveredelten innovativen Produkten. Wir brauchen nicht Produkte produzieren, für den täglichen Bedarf."
Im Export lägen riesige Chancen. Und Vierbauch hat auch eine Studie machen lassen, die zeigt, dass etwa ein Drittel der Bauern in Richtung Bio tendiert. Und das seien vor allem junge Menschen, sagt Vierbauch: "Das sind zukünftige Hofübernehmer, das sind Bäuerinnen und Bauern, die erst vor kurzem die Höfe übernommen haben."

Bauernbundobmann Jakob Auer hat keine Angst, dass ihm diese wichtige bäuerliche Zielgruppe abhandenkommen könnte, denn: "Wir bremsen überhaupt nicht. Zeigen Sie mir ein zweites Land in der europäischen Union, wo der Anteil der biologisch wirtschaftenden Bauern so hoch ist, wie in Österreich." Der Bauernbund sei der legitime Vertreter der Biobauern, weil gerade der Bauernbund für alle Produktionsrichtungen zur Verfügung steht. So elegant kann man die Übermacht des ÖVP-Bauernbundes im Agrarbereich umschreiben.