Julia Maier, Jazz

Julia Maier ist Komponistin, Pianistin und Sängerin. Die 1988 geborene Tirolerin studiert derzeit an der Kunstuniversität Graz. Sie komponiert und arrangiert für verschiedene Bigbands, Orchester, Chöre, u. a. auch für ihre eigene moderne Bigband, das "New Shore Orchestra".

Julia Maier

JAN BALAZ

Was ist Kunst?

Sich ohne kopflastiger Überlegung einem Gefühl, einer Stimmung hinzugeben und dies so ehrlich und mit vollem Herzen, sowie tiefem Hintergrund in einer Form wieder zu geben, die die Menschen berührt.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Durch meine Familie – alle sind irgendwo Künstler, Maler, Musiker, Situationskomiker, Sprachkünstler. Zum Beispiel, wenn es darum geht, zu dichten. Dieses "aus dem Moment heraus neu erfinden", sei es ein Gedicht, ein Lied, ein Bild, hat mich von Kinderbeinen an fasziniert. Darum habe auch ich damit begonnen, meine kreativen Seiten zu leben.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Künstler sein setzt sich aus diesen drei Komponenten zusammen: Wenn ich Künstler sein möchte, muss ich das primär wollen. Ich muss mir selbst ehrlich die Frage stellen: "Kann ich das? Bin ich’s wirklich tief in meinem Herzen?"
Und dann muss gearbeitet werden, solange bis man Schritt für Schritt gehen kann. Das kann ich allerdings nur schaffen, wenn mich die drei Fragen (siehe oben) in einer Ausgewogenheit begleiten, mich anspornen weiter zu machen und mich nicht irritieren, wenn ich reflektiere.
Natürlich gibt es auch Situationen, wo ich weiß, jetzt MUSS ich kreativ sein, auch wenn ich es nicht unbedingt will. Aber Gott sei Dank kommt mit dem Weg die Erfahrung, und ich könnte es jetzt auch ohne richtig zu wollen. Und schlussendlich will ich eh immer.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

Im Wiener Konzerthaus – es ist einfach die wunderschönste Location hier in Österreich! Ich habe die schönsten Konzerte dort genossen, wie Maria Schneiders Orchestra und einige Male Avishai Cohen etc... Das hab ich mir fest vorgenommen.

Mit wem würden Sie gerne zusammen arbeiten?

Das schöne an meiner Aktivität ist, dass ich ständig auf neue Leute treffe, die mich immer wieder sehr beeindrucken und inspirieren. Egal ob es Musiker sind, Schüler oder meine eigenen Lehrer – Teamwork macht mir riesigen Spaß. Am schwierigsten ist es, Tag und Nacht mit sich selbst zusammen zu arbeiten. Das kann echt nerven.
Deswegen freue ich mich über jegliche Kooperation! Je bunter, desto besser!

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Solange die Kunst ehrlich bleibt und nicht aufgebauscht wird, sondern das erkannt und vermarktet wird, was sie ist, verträgt die Kunst wohl ziemlich viel Markt. Schwierig wird es, wenn man sein Projekt in eine Verpackung stecken muss, die gegen den ursprünglichen Sinn geht. Das könnte ich nicht vereinbaren. Jedoch muss ich, was Marketing angeht, sicher noch viel dazu lernen.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

In Österreich ist der Markt nicht sehr groß, für Jazzmusiker sowieso nicht. Ich würde mir wünschen, dass es noch populärer wird, weil heutzutage Jazz nicht mehr gleich Jazz ist. Es gibt so viele Crossover-Stile, die Jung und Alt ansprechen! Genauso sollten Veranstalter offener sein, wobei sich dies in den letzten Jahren Gott sei Dank schon verbessert hat.
Deswegen: Nur immer raus damit! Es kann gar nicht genug neue Sounds geben!

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Wenn’s dem Ende zu geht, braucht man kein Geld mehr. Ich würd’s meinen Enkeln schenken. Sollte dieser Zeitpunkt jedoch vorher kommen: Für eine Fahrt nach Tirol, in den Bergen ist es schön!

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Da weht auf jeden Fall ein anderer Wind. Ich möchte auf jeden Fall gerne Familie und Kinder haben. Außerdem möchte ich ein künstlerisches Doktorat machen und auf einer Universität oder einem Konservatorium unterrichten, da Unterrichten auf jeden Fall eine meiner Leidenschaften ist. Natürlich möchte ich auch unbedingt für meine eigenen Projekte und für Projektanfragen komponieren, auch eventuell in die Filmmusikszene eintauchen. Ich bin sehr gespannt, was noch so auf mich zukommt. Und: Es wird sicher voll spannend, das alles unter einen Hut zu kriegen!

Haben Sie einen Plan B?

Plan A ist zwar etwas risikoreich und manchmal nicht so schön, wenn man merkt, dass die Welt auch gut ohne einen weiter geht. Aber mit vollem Herzenseinsatz braucht es keinen Plan B. Da vertraue ich ganz einfach nach oben.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Vor zwei Wochen in Bangkok, als ich mit einem Taxifahrer um den Preis feilschen musste.

Wollen Sie die Welt verändern?

Bin schon dabei!
Ich finde, solange man an sich selbst arbeitet und sich weiter entwickelt, aus sich herausgeht und seine Grenzen wahrnimmt, kann man sehr wohl kleine Samen streuen, die vielleicht irgendwann auf fruchtbaren Boden stoßen und eine neue Pflanze ans Licht bringen.

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