Karl-Markus Gauß im Gespräch

Als Experte für ethnische und religiöse Minderheiten in Europa hat sich Karl-Markus Gauß einen Namen gemacht. Regelmäßig hält er seine Welt- und Selbstbeobachtungen in Journalen fest. In "Der Alltag der Welt", dem fünften Teil, blickt er auf die Jahre 2011 bis 2013. Ein Gespräch über Tagebuchschreiben, über Flüchtlinge und über die Gesellschaft, "die heute wesentlich weiter ist als der Staat".

Karl-Markus Gauß

"Ich schreibe zwar Tagebuch, aber das ist höchstens der Steinbruch, aus dem ich dann die Dinge zu ordnen versuche (…) Die Vielzahl von Ereignissen, die zu mir drängen, versuche ich, zu mir persönlich in eine Beziehung zu setzen. Das kann als Konzept nur scheitern, aber es ist den Versuch wert." Karl-Markus Gauß

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Kulturjournal, 24.8.2015

"Meine Eltern waren Flüchtlinge aus der Vojvodina, sogenannte 'Donauschwaben', und meine drei älteren Brüder sind damals als sogenannte 'Staatenlose' auf die Welt gekommen und bis ins Schulalter aufgewachsen. Als 1945 Geborener war ich der erste österreichische Staatsbürger in unserer Familie. Das hat mich für den Raum im Osten sensibilisiert und für die Tatsache des Flüchtlingsseins. Was heute passiert ist völlig klar: Österreich hat eine dramatisch falsche, unvorbereitete und dilettantische Flüchtlingspolitik betrieben; die umso unbegreiflicher für mich ist, weil in der Gesellschaft eine erstaunlich große Bereitschaft vorhanden ist, Flüchtlinge aufzunehmen und für Flüchtlinge auch etwas zu tun. Heute ist die Gesellschaft viel weiter als der Staat."

Service

Live zu hören ist Karl-Markus Gauß am kommenden Donnerstag, den 27. August beim Wiener Literaturfestival O-Töne im Museumsquartier.

Karl-Markus Gauß, "Der Alltag der Welt - Zwei Jahre, und viele mehr", Zsolnay

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