Hitlers Kampf

Winston Churchill bezeichnete es als "einen neuen Koran des Glaubens und des Krieges: schwülstig, langatmig, formlos, aber schwanger mit seiner Botschaft". "Kein anderes Werk" - so der Literaturwissenschaflter Jeremy Adler – "hat jemals so eindeutig zu Verbrechen angeleitet und gegen jegliche Rechtsnorm verstoßen." Die Rede ist von Adolf Hitlers politisch-ideologischem Programm- und Propagandawerk "Mein Kampf".

Buchrücken von "Mein Kampf"

APA/AFP/CHRISTOF STACHE

Kontext, 14.01.2016

"Es gibt kaum ein Buch, das mit so vielen Mythen überfrachtet ist, das so viel Abscheu und Ängste weckt, Neugier und Spekulation hervorruft und nicht zuletzt mit der Aura des Geheimnisvollen, des Verbotenen wirbt", schreiben die Historiker des Instituts für Zeitgeschichte mit Sitz in München und Berlin, die Hitlers Originaltext jetzt neu herausgebracht haben – samt einer mehr als tausendseitigen "Gegendarstellung".

Denn was hier mit einer Fülle von Anmerkungen den Text "umzingelt", wie seine Kommentatoren sagen, demaskiert die Widersprüche und Selbststilisierungen seines Autors, korrigiert die zahllosen Verfälschungen, Halbwahrheiten und Lügen. Etwaigen Hitler-Adepten aus rechtspopulistischen oder Neonazi-Kreisen dürfte bei dieser "Mein Kampf"-Ausgabe die Lust am Lesen schnell vergehen.

Das Einzigartige dieser Neuausgabe ist der gewaltige Apparat mit Anmerkungen, der aus dieser Edition eine "Edition mit Standpunkt" macht, wie die Herausgeber sagen, ein ideolo-giekritisches Projekt. Die Anmerkungen berichtigen sachliche Fehler und geschönte bio-graphische Angaben, decken Hitlers Quellen und seine ideengeschichtlichen Wurzeln auf, beleuchten zeitgenössische Zusammenhänge und zentrale weltanschauliche Begriffe und vergleichen Hitlers Programmatik mit seinem politischen Handeln zwischen 1933 und 1945.

Service

Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger, Roman Töppel (Hg.), "Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition", Verlag des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin