"Wer regiert das Geld?"

Paul Schreyer leistet in seinem Buch "Wer regiert das Geld" Aufklärungsarbeit, indem er zeigt, dass auch private Banken Geld schaffen. Viele Menschen glauben, Banken hätten die Aufgabe, zwischen Menschen, die ihr Geld gerade nicht brauchen, also den Sparern und jenen, die z.B. ein Haus oder eine Fabrik bauen wollen, also den Kreditnehmern, zu vermitteln. Tatsächlich haben aber die Spareinlagen nichts mit der Kreditvergabe zu tun.

Kontext, 29.04.2016

Paul Schreyer zeigt u.a. in einem informativen historischen Rückblick, wie sich die Geldsysteme in den USA und in Deutschland entwickelt haben. Hier wird deutlich, dass das Bank- und Geldwesen ebenso wie die Rolle einer zentralen National- oder Notenbank stets das Ergebnis politischer Machtkämpfe darstellt. Auf der einen Seite kämpfen private Finanzinstitute um das Recht, Geld schöpfen zu können; auf der anderen Seite kämpfen Politiker, die die Geldschöpfung als hoheitliche Aufgabe verstehen, die demokratisch legitimiert sein soll. Und wie ist es heute in Europa? In einem Mischsystem stehen sich private Banken und Zentralbanken gegenüber. Sind Privatinteressen und die Interessen der Allgemeinheit also im Gleichgewicht? Keineswegs, findet Paul Schreyer.

Angesichts von Eurokrise, Finanzskandalen und Enthüllungen wie die der Panama Papers verlieren viele Menschen das Vertrauen in unser gegenwärtiges Finanz- und Bankensystem. Initiativen, wie die zur Gründung einer demokratischen Bank, der Bank für Gemeinwohl, zeigen den Wunsch nach mehr Transparenz und demokratischer Kontrolle des Geldwesens. Die Frage der Geldschöpfung spielt bei einer Reform des Finanzwesens eine zentrale Rolle. Wie Geldschöpfung funktioniert und wer welchen Nutzen daraus zieht, das macht Paul Schreyer in seinem Buch deutlich – keine geringe Leistung.

Service

Paul Schreyer, "Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung", Westend Verlag