Bei Sturm am Meer

Ben ist ein erfolgreicher Marketingfachmann, aber als er nach Amsterdam fährt, um seiner krebskranken Mutter am Sterbebett beizustehen, wird er mit unerbittlicher Konsequenz an seine eigenen Grenzen geführt.

"Eine facettenreiche Familiengeschichte mit Tiefgang"

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Philipp Blom, "Bei Sturm am Meer", Roman, Zsolnay Verlag

Der aus Hamburg gebürtige und in Wien lebende Schriftsteller und Historiker Philipp Blom hat in den letzten Jahren erfolgreiche Bücher über die französische Aufklärung und die europäische Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts vorgelegt: "Der taumelnde Kontinent" war ebenso ein Bestseller wie der Nachfolgeband "Die zerrissenen Jahre". Nachdem Blom bereits in jungen Jahren zwei Romane vorgelegt hat, kehrt der 46-Jährige nun zu seinen belletristischen Anfängen zurück. In seinem Roman "Bei Sturm am Meer" konfrontiert er einen Mittvierziger mit seiner abgründigen Familiengeschichte.

Anfang der 70er Jahre bricht Bens Vater Henk, ein "Spiegel"-Reporter, für eine Guerilla-Reportage in den kolumbianischen Dschungel auf. Nachdem er dort entführt wird und spurlos verschwindet, wird Ben von seiner alleinerziehenden Mutter Marlene großgezogen. Die schöne, kapriziöse Marlene ist ein anstrengender Mensch, auch und gerade später, als Krebskranke. Ben ist nicht unfroh, als seine Mutter - die ihn ein Leben lang in ein raffiniert gewobenes Netz aus Manipulationen eingesponnen hat - das Zeitliche segnet. Nach der Einäscherungs-Zeremonie in einem Amsterdamer Krematorium wird Ben von einer älteren Dame angesprochen: Sie bringt den Sohn auf die Spur des verschollenen Vaters. Und Ben muss erkennen: Er wurde getäuscht. Die Geschichte des Vaters ist eine ganz, ganz andere als er sein Leben lang geglaubt hat.

Geschickt arbeitet Philipp Blom in seinem dramaturgisch komplex gebauten Roman die Geheimnisse der Benschen Familien-Historie heraus. Der Marketingfachmann mit Hauptwohnsitz Wien stößt auf eine Vielzahl an Lebenslügen, in denen sich die Mitglieder seiner Sippschaft häuslich eingerichtet haben.