Michael Dangl, Matthias Franz Stein, Maria Köstlinger

SEPP GALLAUER

"Der Engel mit der Posaune" in der Josefstadt

Mit der Uraufführung der Romandramatisierung "Der Engel mit der Posaune" startet das Theater in der Josefstadt heute, Samstag, in seine neue Saison. Das Familienepos umspannt 50 Jahre österreichische Geschichte - vom Untergang der Monarchie bis zum Einmarsch der Hitler-Truppen. Es spielen unter anderem Maria Köstlinger, Michael Dangl, André Pohl, Marianne Nentwich und Alexander Absenger.

Ernst Lothar, ehemals selbst Direktor am Haus, hat den Roman 1944 im amerikanischen Exil geschrieben, kurz nach Kriegsende wurde er hochkarätig verfilmt mit Paula Wessely, Attila Hörbiger, Oskar Werner oder Curd Jürgens.

Morgenjournal, 2.9.2017

"Ein würdiger und passender Auftakt für die neue Spielsaision.“
Katharina Menhofer

Seilerstätte Nummer 10 - in diesem Haus mit dem namensgebenden Posaunen-Engel über dem Portal leben die Mitglieder der Wiener Klavierbauerdynastie von Alt in mehr oder weniger friedlicher Koexistenz zusammen. Im Zentrum Franz, der Firmeninhaber, der die junge Halbjüdin Henriette von Stein heiratet, der man ein Verhältnis mit dem Kronprinz Rudolf nachsagt. Gerade am Tag ihrer Hochzeit erschießt sich der Thronfolger.

Ernst Lothars Bilderbogen Österreichs

Über 50 Jahre spannt Ernst Lothar den Bogen seines Romans, vom Zusammenbruch der Monarchie, über den Ersten Weltkrieg, der Gründung der Ersten Republik, dem Bürgerkrieg bis hin zum sogenannten Anschluss an Hitler-Deutschland.

Auf 500 Seiten hat der heimwehgeplagte Ernst Lothar im amerikanischen Exil diesen Bilderbogen Österreichs geschaffen, der durchaus mit Thomas Manns "Buddenbrooks" verglichen werden kann. Lothar war Staatsanwalt, Kritiker, später Regisseur und Mitbegründer der Salzburger Festspiele und in den 30er Jahren Direktor des Theaters in der Josefstadt, bevor er als Jude in die USA emigrierte.

"Womit hat man der Menschen Gehirne vernebelt?"

"Wenn dieses Stück eine Message hat, dann ist es die, dass es notwendig ist eine Überwindung der Passivität zu erreichen - Farbe bekennen, Haltung zu zeigen. Man könnte dem Ganzen den Untertitel verpassen ‚Überwindung der Angst‘", sagt der aus Polen stammende Regisseur Janusz Kica, der in der angstgeprägten Gesellschaft von damals Parallelitäten zu heute sieht, auch im Hinblick auf sein eigenes Heimatland.

"Ich staune und weiß nicht, was die Gründe sind, warum es so in Polen und Ungarn ist. Womit hat man die Menschen gekauft und ihre Gehirne vernebelt? Denn es ist eindeutig ein Weg in die Unfreiheit."

Schärfe des Originals erhalten

Anders als der hochkarätig besetzte, aber doch auch weichgezeichnete Film, bleibt in der dreistündigen Spielfassung von Susanne Wolf die Schärfe des Originals erhalten. Die 74 Szenen webt Kica, klug und sparsam in der Ausstattung ineinander. Ein würdiger und passender Auftakt für die neue Spielsaison an der Josefstadt, und vielleicht ein Anreiz, den zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Roman wiederzuentdecken.

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Josefstadt – Der Engel mit der Posaune