Daniel Kapp

WERNER STREITFELDER

"Als Pressesprecher bin ich Propagandist"

Die Botschaft muss ankommen, und dem eigenen Verständnis von Wahrheit entsprechen. So definiert Daniel Kapp,
Pressesprecher und Politikberater, seine Arbeit. Ein Drahtseilakt im Auftrag des Kunden. Im #doublecheck-Interview mit Nadja Hahn spricht er über die Spins am Wiener Parkett, Versuche der Einflussnahme, die zu weit gehen, und Instrumentalisierung.

Das Telefon läutet, am Apparat ein hörbar erboster Pressesprecher. Der Artikel, Radio- oder Fernsehbeitrag sei wahlweise unvollständig, verfärbt oder gar falsch, und der Pressesprecher will das den oder die Journalistin auch spüren lassen. Für den Berater und Pressesprecher Daniel Kapp ist das ein zulässiges Szenario. Kapp sieht im Anruf, nachdem der Artikel erschienen ist oder der Beitrag auf Sendung war, noch keinen Eingriff: "Das ist ein andauernder Dialog zwischen Pressesprechern und Journalisten. Ich sehe keine Einschüchterung dabei."

Auch Pressesprecher dürfen hinterfragen

Immerhin habe der Pressesprecher den Auftrag, sein "Verständnis von Wahrheit" zu vermitteln. "Dass man eine Geschichte challenged, dass man eine Geschichte hinterfragt, dass man diskutiert, dass man notfalls auch mit Chefs diskutiert, wenn man meint, dass das in dem Einzelpunkt berechtigt ist, dagegen ist a priori nichts einzuwenden. Nichts zwingt einen Journalisten, davon beeindruckt zu sein."

Daniel Kapp

AFP/STAN PESKA/PICTUREDESK

Daniel Kapp, 2012

Daniel Kapp war über zehn Jahre Pressesprecher für verschiedene Regierungsvertreter, zuletzt und bis zu dessen Rücktritt arbeitete er mit Ex-Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP). "Ein guter Berater versteht die Wirkung einer Geschichte und versucht, eine Geschichte unter Respekt für die Wahrheit so zu schleifen und zu positionieren, dass sie die gewünschte Wirkung entfaltet", sagt Kapp über das Berufsbild Pressesprecher. "Als Pressesprecher bin ich Propagandist. Ich will die Botschaft meines Herren so unterbringen, wie sie unseren politischen Zielen dient."

Kein Platz für Befindlichkeiten

"Weder im Journalismus noch unter Pressesprechern braucht man besonders empfindlich sein. Eine Intervention, in dem Sinn, bilde ich mir ein, habe ich nie gemacht." Denn der illegitime Versuch der Einflussnahme beginnt für Kapp nicht beim Anruf beim Journalisten, sondern dort, wo gedroht wird, auf die Karriere einzuwirken - also das berufliche Fortkommen zu verhindern.

Interventionen in Form von Anrufen seien Teil des Spiels, hätten aber ohnehin keinen Sinn, glaubt Kapp: "Da ist der Pressesprecher seines eigenen Glückes Schmied. Wenn ich einen Journalisten ewig und drei Tage sekkiere und herabwürdige, dann könnte ich möglicherweise damit rechnen, dass die Berichterstattung nicht zwingend geschmeidiger wird."

Was ist schon Instrumentalisierung?

Während des Nationalratswahlkampfes wurde Kapp mit dem Vorwurf konfrontiert, ein Spin-Doktor zu sein. Es ging um die Enthüllungen rund um die Facebook-Seiten des ehemaligen SPÖ-Beraters Tal Silberstein, durch "Profil" und "Die Presse". Einige Journalisten vermuteten Kapp hinter den Informationen, die der SPÖ im Wahlkampffinish schadeten.

Das bestätigt Kapp im Interview nicht – er werde sich an keiner Debatte beteiligen, die den Quellenschutz aushebelt. "Meine Wahrnehmung ist, dass das "Profil" und "Die Presse" eine sauber recherchierte Geschichte auf den Markt gebracht haben, die der Wahrheit offenbar entsprach - und die entsprechend eine politische Wirkung entfaltet hat."

Daniel Kapp im Interview mit Nadja Hahn

Sind Sie ein Spin-Doktor, Herr Kapp?

Die Antwort bleibt also offen. Als Spin-Doktor sieht sich Kapp jedenfalls nicht. Das sei eine kritische Zuschreibung von außen. "Man sagt, das ist ein Spin-Doktor und impliziert damit auch, dass es im Extremfall etwas Verlogenes, Täuschendes an sich hat. Im Selbstverständnis würde ich eher vom richtigen Zungenschlag reden."

In der öffentlichen Debatte verfolgen alle Ziele und haben damit sogenannte Spins, versuchen also, die Debatte für sich positiv zu prägen, sagt Kapp. "Der gute Pressesprecher antizipiert und bereitet seine Geschichte schon so auf, dass der Journalismus damit umgehen kann. Kritiker würden sagen, das ist dann Spin."

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