Vera Borek

ORF/JOHANNES CIZEK

Vera Borek ist Schauspielerin des Jahres

Am 23. Februar 2018 geht die Hörspiel-Gala über die Bühne des Großen Sendesaals des RadioKulturhauses - Ö1 überträgt und sendet live. Geehrt wird die Schauspielerin des Jahres, Vera Borek. Für herausragende Leistungen im Hörspieljahr 2017 - und für das Lebenswerk.

Vera Borek

Ein akustischer Streifzug durch ihre Arbeit im Hörspielstudio.

Eine Hohepriesterin der Sprache

Das Genre Hörspiel - die Königsdisziplin des Hörfunks - braucht zum Blühen und Gedeihen Sprachkünstlerinnen und Sprachkünstler. Eine, die die Sprachkunst pflegt und verfeinert, ist Vera Borek. In über sechzig ORF-Produktionen hat sie mitgewirkt, in zahlreichen Hörspielproduktionen deutscher Rundfunksender, bei Hörbüchern, Schallplatten- und CD-Produktionen.

Das künstlerische Elternhaus prägt die Schauspielerin. Sie wird 1940 in Breslau als Tochter einer deutschen Opernsängerin und eines Wiener Lederwarenhändlers geboren. Die Familie übersiedelt 1945 nach Wien.

Thalia Theater in Hamburg

Nach Absolvierung der Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover geht sie in Engagements an deutsche Theater: Bochum, Münster, Wiesbaden. "Mit 27 hat mich Boy Gobert an das Thalia Theater in Hamburg geholt. Ich hab dann nur mehr Hauptrollen gespielt, eine schöner als die andere ..."

Ihre Lieblingsrollen findet sie in den Stücken Horváths und bei Shakespeare. Sie spielt Fassbinder, Elfriede Jelinek und ist mit Marlene Streeruwitz befreundet. Seit 1969 wird sie auch regelmäßig für Film und Fernsehen engagiert.

Eine Frau und ein Mann, sitzend

Vera Borek und ihr Laudator, Peter Kaizar

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Begegnung mit Qualtinger

Eigentlich wollte sie Sängerin werden - "ich war glücklich, wenn ich was singen durfte, nicht schön, aber immer öfter". Noch in Hamburg begegnet sie Helmut Qualtinger, mit dem sie bis zu seinem zu frühen Tod 1986 eine tiefe, auch künstlerisch produktive Liebe verbindet. Zahlreiche gemeinsame Leseabende, Schallplatten und CD-Einspielungen, Theaterproduktionen entstehen während dieser Zeit.

Beide ziehen in den späteren 1970ern nach Wien. Emmy Werner holt Vera Borek ans Volkstheater, Hans Gratzer ans Schauspielhaus. Sie wird in der Theaterszene eine fixe und bis heute nicht wegzudenkende Institution. 2010 erhält sie das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien. "Man könnte Vera Borek unter die intellektuellen Schauspielerinnen einordnen, unter die sehr sprachbewussten", meint Ingrid Rencher, enge Freundin.

"Koscheres Medium Hörspiel"

Ich selbst kenne und schätze Vera Borek seit meinen Tagen als Theatermusiker in den frühen 1980er Jahren. Nicht nur mich hat ihr reflektiertes Umgehen mit Sprache, das genaue Gefühl für Form fasziniert und interessiert. Sie setzt mit sparsamen Mitteln und großer Sprachsensibilität, in aller Angemessenheit einen Text um. Das und ihr charakteristischer Ausdruck, ihre aufrechte, fast erhabene Erscheinung, flößten mir immer größten Respekt ein.

"Zu Recht, sie ist sehr autonom. Für Regisseure, die gerne formen und kneten, ist sie nix!" Rencher, die "Didi", lacht. Sie muss es wissen, hat sie doch als Dramaturgin am Schauspielhaus und am Volkstheater viele Jahre mit Vera Borek gemeinsam gearbeitet.

Mit Stiefsohn Christian Qualtinger, Maler und Schriftsteller, verbindet Vera Borek Seelenverwandtschaft und intelligenter Humor. Er meint launig: "Die Schauspielerei, das ist fast eine religiöse Sache bei ihr, sie ist als junge Frau als Nonne in den Orden des Theaters eingetreten." Also eine Hohepriesterin der Sprache. Und wie findet er sie als Hörspielerin? "Na ja, seriös: großartig! Das ist ein koscheres Medium, das Hörspiel, nicht ausgereizt, ein unschuldiges, tadelloses, nicht verhunzt."

Text: Peter Kaizar, Hörspielregisseur

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