Renata Schmidtkunz auf der Bühne des Wiener Burgtheaters

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Ist unsere Demokratie heute stark genug?

Vor 80 Jahren - am 15. März 1938 – verkündete Adolf Hitler vom Balkon der Neuen Burg aus den versammelten Massen auf dem Heldenplatz den "Anschluss Österreichs" an das Deutsche Reich. Eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte Österreichs begann mit einer jubelnden Menschenmenge.

Ö1 widmet dem Gedenkjahr 2018 einen großen Senderschwerpunkt, der am Sonntag, 11. März zur Matinéezeit im Wiener Burgtheater seinen Anfang nahm.

Mit Lesungen, Einspielung von historischem Audiomaterial und einem Gespräch ging die Matinée der Frage nach, warum wir dieses Tages im März 1938 gedenken, was er uns lehrt und wie wir die demokratische Zukunft Österreichs gestalten wollen.

  • Hugo Brainin

    Hugo Brainin: Bis heute ist es für mich erschreckend, wie rasch die Stimmung der Menschen in so wenigen Stunden völlig kippen kann.

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  • Karin Bergmann

    Karin Bergmann: Wir wissen nicht, was wir damals getan hätten, aber, was wir heute tun, muss uns klar sein.

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  • Alena Wagnerova

    Alena Wagnerova: In unserer Politik herrscht Lieblosigkeit und es ist höchste Zeit, dass wir fragen, 'Was ist eigentlich der Mensch'.

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  • Oliver Rathkolb

    Oliver Rathkolb: Ohne eine bewusste, soziale Politik für alle, die hier leben, ob Staatsbürger oder nicht, gefährden wir unsere Demokratie.

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  • Ingrid Brodnig

    Ingrid Brodnig: Es gibt das Bild vom Hummer im heißen Wasser und ich frage mich, wie erkennen wir als Gesellschaft, ob wir nicht dieser Hummer sind.

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  • Christoph Grabenwarter

    Christoph Grabenwarter: Unser Anspruch muss sein, mit Hilfe unseres repräsentativ-parlamentarischen Verfassungssystems die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu schaffen.

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  • Publikumsraum des Wiener Burgtheaters

    Zahlreiche Prominente, wie die Liberale Heide Schmidt und der evangelische Bischof Michael Bünker verfolgten die Matinee im Wiener Burgtheater.

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Nachdenken über 1938

Um immer wieder den Anfängen zu wehren, sind die Fragen an die Vergangenheit auch für unsere Gegenwart relevant:

  • Wie konnten der "Anschluss" und das faschistische Regime so viel Zustimmung (oder zumindest Duldung) breiter Bevölkerungsteile bekommen?
  • Woher rührte der moralische "Dammbruch", das Aggressionspotential, das sich in den "Anschluss"-Pogromen Luft verschaffte?
  • Welche Vorurteile und Hetzparolen könnten heute die demokratischen Grundlagen unserer Gesellschaft unterhöhlen?
  • Wird das 21. Jahrhundert - wie Rolf Dahrendorf bereits 1997 meinte - ein "Jahrhundert des Autoritarismus"?
  • Warum stößt die politische Kultur der repräsentativen Demokratie zunehmend auf Ablehnung, warum gewinnen populistisch instrumentalisierbare Formate wie Volksabstimmungen an Attraktivität?
  • Was kann man tun, um die Demokratie zu stärken und antidemokratischen Tendenzen entgegenzuwirken?

Darüber diskutierte Renata Schmidtkunz, Leiterin der Ö1 Sendereihe "Im Gespräch" mit:

  • Hugo Brainin, Zeitzeuge
  • Alena Wagnerová, tschechische Soziologin und Publizistin
  • Ingrid Brodnig, Medienjournalistin
  • Christoph Grabenwarter, Verfassungsrichter
  • Oliver Rathkolb, Historiker

In Zusammenarbeit mit dem Burgtheater, dem Haus der Geschichte Österreich, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, Ö1 und filmbakery.

Elisabeth Orth, Marie-Luise Stockinger, Branko Samarovski und Sebastian Wendelin lasen Texte von Carl Zuckmayer, Stefan Zweig, Hilde Spiel und zahlreichen weiteren Zeitzeug/innen.

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