Katharina Grosse

ORF/CHRISTINE SCHEUCHER

Katharina Grosse in der Prager Nationalgalerie

Sie sprengt die Grenzen der Leinwand, besprüht Möbelstücke, Baumstämme, Böden, Trainingsräume und manchmal sogar ganze Häuser. Die deutsche Malerin Katharina Grosse verwendet für ihre oft monumentalen Arbeiten nicht Ölfarbe und Pinsel, sondern Spritzpistolen, die mit Kompressoren betrieben werden. In der Prager Nationalgalerie hat Grosse nun eine begehbare Installation geschaffen, die allein aufgrund ihrer Dimension beeindruckt.

Ö1 Kulturjournal

Christine Scheucher

Eigentlich handelt es sich um ein Stück funktionalistische Architektur, eine 16 Meter hohe Maschinenhalle aus den 1920er Jahren, sachlich und schmucklos, die heute als Ausstellungsraum der Prager Nationalgalerie genutzt wird. Doch wer den Raum dieser Tage betritt, taucht in eine abstrakte Farbexplosion ein.

Auf Einladung der Nationalgalerie hat die deutsche Malerin Katharina Grosse zwei monumentale Gemälde geschaffen. Gewohnt farbenprächtig besprühte sie Textilplanen, die 30 mal 55 Meter messen. Sie überfluten die kargen Wände. "Mich hat es interessiert, eine Malerei zu entwickeln, die anders als meine bisherigen Arbeiten die Oberflächen des Raumes nicht nutzt, sondern selbst eine neue Oberfläche hineinschiebt, auf der das Bild erscheint, das ich für den Raum geschaffen habe", sagt Katharina Grosse. "Die Kernüberlegung, die hinter meiner Arbeit steckt, lautet: 'Wie kann Malerei heute für uns eine Bedeutung haben und unsere körperlichen Sinne radikal fordern'."

Gesprayte Farbexplosionen

Drei Monate hat Katharina Grosse an der Intervention gearbeitet, die sie "Wunderbild" nennt - eine Arbeit, mit der die Künstlerin erneut zeigt, dass für sie die Grenzen zwischen Malerei, Skulptur und Installation fließend sind. Grosses Bilder expandieren, leben von der Spannung zwischen Monumentalität und Detail lebt. Seit 1998 malt Katharina nicht mehr klassisch. Für die Sydney Biennale gestaltete sie erstmals eine Wandarbeit, die sie mit Spritzpistolen sprayte. Eine Technik, die zu ihrem Markenzeichen geworden ist. "Am Anfang meiner Karriere, Mitte der 1990er Jahre, habe ich große Bilder mit dem Pinsel auf die Wand gemalt. Irgendwann empfand ich es als hinderlich, wenn ich zur Decke stieß oder mit dem Pinsel an die nächste Wand kam. Es stellte sich immer die Frage: 'Wie bewegt man sich um die Ecke, wie geht es weiter'", erklärt Grosse, die bereits damals nach neuen Wegen in der Malerei suchte.

Monumentalität und Detail

Mit Spritzpistolen bearbeitet Grosse aber nicht nur Leinwände und Textil. In New York besprühte sie ein ganzes Haus. Genauer: eine Militärbaracke, die von Hurricane Sandy 2012 zerstört worden ist. Damit schuf Grosse ein Stück Land-Art, das auf Instagram zum absoluten Hit wurde. Das pink und rot angesprühte Haus wurde von tausenden Menschen geteilt und hochgeladen. "Dieser Ort ist ein Geheimtipp. Er befindet sich in einem kleinen Naturpark in den Rockaways, also an der Küste. In diesem ehemaligen Fort waren keine Fenster mehr. Sand war in die Ruine eingedrungen. Es stand nur noch das Skelett des Hauses und ein Dach. Das Haus hatte eine Verwandlung durchgemacht. Man wusste nicht genau, ob das Haus aus dem Sand rauskommt oder im Sand versinkt. Dieser Zustand hat mich interessiert."

Seit Jahren gilt Katharina Grosse, die 1961 in Freiburg geboren ist, als eine der bedeutendsten Malerinnen ihrer Generation. Bis vor kurzem war Katharina Grosse Professorin für Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf. Sie wird von internationalen Großgalerien vertreten. Dennoch ist ihr Name - zumindest einer breiten Öffentlichkeit - weniger geläufig als zum Beispiel der Name des etwa gleichaltrigen Neo Rauch. Das liege auch daran, sagt Grosse, das männliche Kollegen im Kunstbetrieb nach wie vor mehr Aufmerksamkeit genießen. Mit ihrer grenzüberschreitenden Malerei ist Katharina Grosse auf dem besten Weg, mit dieser Tradition zu brechen.

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