Probe des Stückes "jedermann (stirbt)"

APA/ROLAND SCHLAGER

Jedermann stirbt jetzt am Burgtheater

Ab morgen gibt es einen neuen "Jedermann“ und zwar am Burgtheater. Er heißt "Jedermann (stirbt)". "Wieso am Burgtheater und nicht im Sommer am Salzburger Domplatz?", wird sich der eine oder andere fragen. Es ist nicht Hofmannsthals "Leben und Sterben des reichen Mannes", sondern der Text stammt von dem sehr erfolgreichen jungen steirischen Autor Ferdinand Schmalz.

Morgenjournal 22.02.2018

Gernot Zimmermann

Markus Hering (M.) als Jedermann sowie Katharina Lorenz (unten) als Jedermanns Frau

APA/ROLAND SCHLAGER

Ziemliches Wagnis

Die Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann riskierte viel, als sie Ferdinand Schmalz dazu einlud, einen neuen "Jedermann" zu schreiben. Ferdinand Schmalz ebenfalls, hat er sich doch zu etwas verführen lassen, an dem schon viele gleich am Anfang scheiterten, von Bertolt Brecht bis Peter Handke. Sein neues Stück persifliert keineswegs, sondern nimmt die Vorlage, sowohl das mittelalterliche Mysterienspiel als auch Hofmannsthals Vorlage durchaus: todernst. Was nicht heißt, dass es nicht erkennendes Schmunzeln gäbe, wie auch jedes Jahr beim Spiel vor dem Salzburger Dom.

Schmalz kennt die Theatergeschichte

Schmalz ist theatergeschichtlich bewandert, weiß trotz vieler Verächter des "Jedermann" um die unmittelbares Wirkung des Stücks, hat sich mit Totentänzen und Bußpredigten beschäftigt und zieht das Spiel um die letzten Dinge ins Heute. "In meiner Kunstsprache gibt es einen Chor, der gute Gesell ist eine gute Gesellschaft". Und die hat am Schluss das letzte Wort. Denn über die letzten Dinge, wenn sie mit Religion zu tun haben, wollte sich Schmalz eher nicht drübertrauen.

Abstrakte Inszenierung, hochkarätiges Ensemble

Und das Burgtheater bringt eine Riege exzellenter Schauspieler ein, die ob sie als Chor, oder ob als Buhlschaft oder Jedermann einzeln auftreten wissen, worum sie spielen, auch um das Gelingen dieses wagemutigen Projekt, das sich voll und ganz zu den Mitteln des Theater bekennt. Dabei spielen sie alle ganz vorne vor einer goldenen Wand, in der nur ein Kreis ausgeschnitten ist. In dem bewegt sich Jedermann im Hamsterrad des Neokapitalismus.

Markus Hering ist der Jedermann. Er hat eine Frau und eine Buhlschaft, die gleichzeitig der Tod ist, dargestellt von Barbara Petritsch. Ferdinand Schmalz hat Allegorien zusammengezogen, er liebt die mittelalterlichen Bilder, ist sogar nach Bern gefahren, um einen berühmten "Totentanz" anzuschauen. Die abstrakt gehaltene Inszenierung stammt vom Schweizer Regisseur Stefan Bachmann, derzeit Intendant in Köln. Auch er war davon beeindruckt, wie genau und tief Schmalz den Jedermann paraphrasiert, neuschreibt.


Wirkung: Man wird sehen.

Ob der "Jedermann" nur ein Stück barocker österreichischer Theaterlust ist oder auch anderswo funktioniert, das wird sich zeigen. Etwa wenn "Jedermann (stirbt)" von Ferdinand Schmalzt auch auf Bühnen im Ausland gezeigt wird, wie die meisten seiner früheren Dramen, für die er auch mehrfach schon ausgezeichnet wurde.

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