Otto Brusatti und Friederike Mayröcker

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Das Hörspiel des Jahres

Aus allen Neuproduktionen des Jahres 2017 hat das Ö1 Publikum das "Hörspiel des Jahres" gewählt. Die Wahl fiel auf Friederike Mayröckers Hörspiel "Oper" - in der Regie von Otto Brusatti.

Wenn sich die große alte Dame der österreichischen Literatur, die Poetin mit der unvergleichlichen Stimme, die Büchnerpreisträgerin, die 2008 für das Hörspiel "Gärten, Schnäbel, ein Mirakel, ein Monolog, ein Hörspiel" den Kritikerpreis bekommen hat - wenn sich diese radikale und höchst produktive Sprachkünstlerin zusammentut mit einem Radio-Urgestein, bekannt und beliebt aus Sendungen wie "Klassik Treffpunkt" oder "Pasticcio", dann entsteht - ein Siegerstück.

In diesem Stück wird in einer sehr bilderreichen Sprache vom sich Zurück-Ziehen als Schutz vor dem Alter erzählt und zugleich vom Aufstand dagegen. Die Texte eröffnen dem Hörer, der Hörerin eigene Räume des Erinnerns, des Wünschens und laden ein, darin spazieren zu gehen. Und das alles erklingt in dieser ganz unverwechselbaren Sprach-Melodie oder Sprech-Melodie, die man schon aus ihren früheren Hörspielen kennt, die sie seit vielen Jahren selbst interpretiert. Das ist auch Musik. Das ist - Oper!

Die Endabnahme des Hörspiels im Beisein der Autorin - und Sprecherin, Friederike Mayröcker

Akustische Wundertüte

19 Neuproduktionen standen auf dem Programm des Ö1 Hörspiels. Hören Sie die zirka 1000 Hörspiel-Minuten des Jahres 2017 auf dreieinhalb Minuten verdichtet.

Zur Wahl standen 19 Neuproduktionen des Jahres 2017, u.a. die Hörspielfassung von Ödön von Horváths frühem Theaterstück "Niemand", "Die Zauberflöte" - ohne W. A. Mozart, "Spaziergänge eines einsamen Träumers" nach J-J. Rousseau, Friederike Mayröckers "Oper!", Gabriele Kögls Stück über Hundebesitzer/innen "Fressen, kaufen, Gassi gehen oder Die Treue hat einen Hund", Andreas Jungwirths Freundschaftsgeschichte "Absence", "Love after Love - Acht Abgesänge" von Ilma Rakusa, "Otium", eine Hommage an Franz West, von Oliver Augst und zwei Produktionen aus dem Landesstudio Tirol: "Grünmandl oder Das Verschwinden des Komikers" und "Mazeltov, Adolf!".

Vielfältig waren auch die Produktionen, die im "Ö1 Kunstsonntag" zu hören waren: Der Komponist Peter Kaizar erzählte in "Nur kurze Zeit noch" vom Anfang und Ende der Welt, Mariola Brillowska deckte in "Sender in den Zähnen" Agenten auf, in die Welt der Kleinstlebewese entführte Brigitta Falkner in "Habitat Sounds", Margret Kreidl schrieb den poetischen Monolog "Eine Schwabe falten", ein Autor/innenkollektiv gestaltete das ironische Radio-Musical "Bloom Blum Baby", Science Fiction ähnliche Utopien entfalten sich in "Der Tod des Anthropozäns" des mexikanischen Künstlers Julian Bonequi und in "Die Prometheus Protokolle" von Thomas Feuerstein. Magda Woitzuck erzählte in "Die Schuhe der Braut" von der Wandlung des syrischen IS-Soldaten Said, und die deutsche Dramaturgin Katharina Schmitt führte uns in "Das Molyneux Problem" in die Traumwelten von blinden Menschen.

Platz 1 - Das Hörspiel des Jahres

Oper!
Friederike Mayröcker (R: Otto Brusatti)

Friederike Mayröcker und Otto Brusatti

Friederike Mayröcker und Otto Brusatti

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Platz 2

Die Zauberflöte
Emanuel Schikaneder (B / R: L. Koppelmann)

Platz 3

Grünmandl oder Das Verschwinden des Komikers
Otto Grünmandl (B: A. Vitásek u. M. Sailer / R: M. Sailer)

Platz 4 & Hörspielpreis der Kritik

Spaziergänge eines einsamen Träumers
Mischa Zickler (R: der Autor)

Platz 5

Die Schuhe der Braut
Magda Woitzuck (R: P. Kaizar / Ph. Scheiner)

Platz 6

Mazeltov, Adolf!
Uli Brée (Regie: M. Sailer)

Platz 7

Niemand
Ödön von Horváth (B: H. Peschina / R: A. Kurth)

Platz 8

Absence
Andreas Jungwirth (R: S. Moratz)

Platz 9

Fressen, kaufen, Gassi gehen oder Die Treue hat einen Hund
Gabriele Kögl (R: Ph. Scheiner)

Platz 10

Sender in den Zähnen (AT) - mit Agenten, Frequenzen, Missionen
Mariola Brillowska (R: die Autorin)

Übersicht