Maria Aljochina

JOEL SAGET / AFP

Tage des Aufstands - Pussy Riot auf Tournee

Vor sechs Jahren wurde die Gruppe Pussy Riot mit ihrem Protest gegen Präsident Putin in einer Moskauer Kathedrale schlagartig weltbekannt. Bezahlt hat die Aktivistin Maria Aljochina ihren Mut mit zwei Jahren Lagerhaft in Sibirien. Ihr Buch "Riot Days - Tage des Aufstands" wird jetzt von Pussy Riot auf die Bühne gebracht.

Übermorgen sollen sie in der Wiener Arena auftreten - obwohl vor wenigen Tagen einige Mitglieder bei einer Protestaktion auf der Krim festgesetzt wurden.

Morgenjournal | 06 03 2018

Werner Bloch

Kurz vor Weihnachten hat sie es tatsächlich noch einmal geschafft, ins Gefängnis zu kommen. Es war der 100. Jahrestag des russischen Geheimdienstes, und Maria Aljochina, Frontfrau und Gründungsmitglied von Pussy Riot, schwenkte dort eine Fahne mit der Aufschrift: "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, ihr Henker!"

"Tu was für die Freiheit!"

Aljochina wurde verhaftet, die Veranstalter fürchteten schon, sie könne bei der Tournee nicht dabei sein - aber jetzt steht sie doch auf der Bühne und verkündet die ewig junge Botschaft von Pussy Riot: "Tu was. Freiheit gibt es nur, wenn du jeden Tag für sie kämpfst."

"Wir sind keine Band, wir machen keine Musik. Wir sind eine Gruppe von Aktivisten, unabhängigen Künstlern, Musikern. Wir sind ein politisches Künstlerkollektiv, wir machen politische Kunst. Uns geht es um die Botschaft. Es ist sehr wichtig, eine interessante und kluge politische Message für diese Zeit in Russland zu haben", so Aljochina.

Wie kriegt man diese Botschaft auf die Bühne?

Da wird wild gezuckt, Körper vibrieren und hopsen herum, Sturmhauben, das Markenzeichen der Gruppe, also selbst gehäkelte Masken wie in einem schlechten Bankräuberfilm werden hastig an- und ausgezogen. Ein Saxofon trötet schrill wie eine Feuerwehrsirene durch den Raum. Offenbar wollen Pussy Riot Alarm schlagen. Aber wovor wollen sie warnen? Vor dem Kapitalismus? Dem Kreml? Welche Botschaft haben Pussy Riot eigentlich zu bieten?

Andererseits: Fast zwei Jahre saßen Aljochina und Tolokonnikowa in einer russischen Strafkolonie. Diese Erfahrung ist die Grundlage des Buches "Tage des Aufstands", und dieses sehr persönlich erzählte Buch ist nun die Basis des jetzigen Theaterstücks.

Erfahrungen aus der Haft

"Das erste, was sie mit dir im Gefängnis anstellen, ist eine Durchsuchung. Man kommt in einen Käfig, dann muss man sich ausziehen und zehn Kniebeugen machen. Dann musst du dich vorne überbeugen und dich inspizieren lassen. Angeblich wollen sie verhindern, dass du nichts in deinem Körper versteckst. Aber langsam lernt man im Gefängnis, Widerstand leisten kann. Wie man Nein sagen kann, wenn man seine Rechte kennt."

Am Ende aber blieb Mascha Aljochina nur der Hungerstreik, um ihre Rechte bei der Gefängnisleitung durchzusetzen. Was dann zu einer merkwürdigen Prosa in ihrem Buch führt: "Der erste Hungerstreik ist wie die erste Liebe. - Die Hauptidee des Buchs ist, dass jeder Mensch eine Wahl hat. Und wenn der Widerstand im Gefängnis möglich ist, dann muss er auch außerhalb des Gefängnisses möglich sein."

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