Laurence Sterne porträtiert von Joshua Reynolds

Galiani Berlin

Laurence Sterne in Shandy Hall

Anlässlich des 250. Todestages erscheint eine Ausgabe von Laurence Sternes gesammelten Werken. Außerdem hat sich der Englandkenner Hans von Trotha in seinem neuen Band "A Sentimental Journey" auf die Spuren des britischen Dichters gemacht.

In der Londoner National Portrait Gallery hängen mehr als tausend Porträts bedeutender Persönlichkeiten der englischen Geschichte aus fünfhundert Jahren. Eine von ihnen ist Laurence Sterne, ein dichtender Pfarrer aus Yorkshire. Gemalt hat ihn Joshua Reynolds, der berühmteste Porträtisten seiner Zeit.

Im Gespräch mit "Ex libris"-Redakteur Peter Zimmermann wunderte sich Hans von Trotha, wie der Mann da hineingeraten ist. Zumal der Dichter dem Betrachter auf eine Art entgegenblickt, als hielte er seine Anwesenheit in den heiligen Hallen selbst für einen gelungenen Witz.

"Bekannt für seine Zoten und ironischen Texte"

"Der völlig unbekannte Laurence Sterne ist nach London. Und der Self-Made-Man Reynolds hat dem Self-Made-Man Sterne dazu verholfen, bekannt zu werden, indem er dieses Bild gemalt hat.“ Hans von Trotha

Mit seinem Erstlingswerk, einer mehrbändigen Romanreihe mit dem etwas ungelenken Titel "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" hatte Laurence Sterne Ende des 18. Jahrhunderts mit allen Regeln der Erzählkunst gebrochen.

Kein Verleger wollte "Tristam Shandy" drucken

Der Autor ließ die ersten Bände auf eigene Kosten drucken, weil kein Verleger das für Literatur hielt, und kannte darüber hinaus niemanden in London, der ihm den Einstieg in den Literaturbetrieb leichter machen hätte können. Doch der dichtende Pfarrer hatte eine Geliebte mit guten Beziehungen zum berühmten Regisseur und Theatermanager David Garrick.

"Eigentlich nichts für Frauen, aber irgendwie der letzte Scheiß." Sternes Geliebte

Sentimental und empfindsam

Ein wesentliches Merkmal der Sterneschen Erzählkunst ist die Vermeidung einer Genrezuschreibung. Es ist nicht einmal klar, was Fiktion ist und was Reflexion oder auf Tatsachen beruhender Bericht. Dies gilt besonders für Sternes zweiten Roman: "Eine empfindsame Reise durch Frankreich und Italien", geschrieben von einem Mr. Yorick. Ein Buch, in dem einer um des Reisens Willen reist, und nicht, um z.B. Handel zu betreiben.

Denn Reisen, so Hans von Trotha, hatte damals immer einen praktischen Sinn, weshalb dieses Buch ein Novum darstellte für das Laurence Sterne auch den englischen Begriff "sentimental" prägte, der in den mehr als 100 Übersetzungen übernommen worden ist - nur der deutsche Übersetzer beschloss, ein anderes Wort dafür zu finden.

Lessing: "Wagen Sie 'empfindsam'"

"Wenn eine Reise, die Mühe macht, mühsam heißt, dann kann eine Reise, in der es um Empfindungen geht, empfindsam heißen." Gotthold Ephraim Lessing

Service

Laurence Sterne, Werkausgabe, aus dem Englischen übersetzt von Michael Walter, Galiani Berlin
Hans von Trotha, "A Sentimental Journey - Laurence Sterne in Shandy Hall", Wagenbach Verlag

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