Daniela Strigl

ORF/PETER MEIERHOFER

Reflexionen über das Schreiben

Daniela Strigl hat sich nicht nur als Literaturkritikerin einen Namen gemacht, sondern auch als Essayistin und als Autorin von Biografien über Marlen Haushofer oder Marie von Ebner Eschenbach. In ihrem neuen Buch, "Alles muss man selber machen", plaudert sie aus dem Nähkästchen. Wie kommen Literaturkritiker und -kritikerinnen zu ihrem Urteil? Welche Möglichkeiten bietet der Essay? Und wie nahe darf eine Biografin ihrem Gegenstand kommen?

Morgenjournal | 28 03 2018

Kristina Pfoser

Kulturjournal | 28 03 2018

Alles muss man selber machen

Am Beginn steht eine Erkenntnis und zwar: "Alles muss man selber machen". "Als Literaturkritikerin und freiberufliche Germanistin bin ich eigentlich eine Kleinunternehmerin“, erklärt Daniela Strigl, "von der Organisation des Alltags bis hin zur Schreibarbeit - also auch wenn mich Dinge an der öffentlichen Diskussion stören, das lässt sich nicht delegieren, d.h. ich muss es selber machen."

Und das tut Daniela Strigl in bewährter Weise mit Witz und Tiefgang, immer streitbar aber niemals verbissen. In ihrem neuen Buch reflektiert sie jetzt die eigene schöne Kunst des Schreibens in ebenso präzisen wie persönlich vorgebrachten Einsichten, Empfehlungen und Bekenntnissen - als Biografin, Essayistin und als Literaturkritikerin. Zu allererst die große Frage: Was ist das überhaupt "ein gutes Buch"?

Ein gutes Buch

"Für mich ist es ein gutes Buch, wenn Form und Inhalt einander die Balance halten, wenn ein inhaltliches, thematisches Anliegen mit formalem Anspruch und ästhetischer Ambition verwirklicht wurde", sagt Daniela Strigl, "und wo die eigene Stimme des Autors, der Autorin zu hören ist." Nicht zuletzt geht es da um Geschmack und Geschmack muss gebildet werden, meint Strigl und sie empfiehlt schlicht und einfach: viel lesen.

"Es gibt Bücher, die sich aufplustern, die ihr hohles Nichts hinter einer prächtigen Fassade verbergen; Bücher, die aus der Routine heraus geschaffen sind, die nichts zu sagen haben, das aber wortreich. Die darf, ja muss man dann auch verreißen", heißt es in dem Buch, und im medialen Chor des lauwarmen Einverständnisses hört man denn auch gerne die Gegenstimme von Daniela Strigl.

Vom allgemeinen Niedergang

"Ich sehe das Konservative, das ich in vielem vertrete, als die Rettung, die Bewahrung oder die Wieder-Einrichtung von guten Dingen", meint Strigl, "zum Beispiel, dass die öffentliche Infrastruktur so vernachlässigt wird, dass das Geld, das in kulturelle Einrichtungen gesteckt wird, immer wieder infrage gestellt wird, das sehe ich als wirklichen Rückschritt. Da waren wir in der Monarchie schon weiter, wenn man etwa das Funktionieren der Post betrachtet." Von der Post über die Kaisersemmel bis hin zu den Lipizzanern - wenn Daniela Strigl den allgemeinen Niedergang beklagt, dann tut sie das als Feuilletonistin erster Güte.

Der Essay - ein Akt der Notwehr

Der Essay, das sei ein Akt der Notwehr, meint sie. Der gesamtgesellschaftliche Stellenwert der Literatur schwinde. Es sei heute keine Schande mehr, wenn angeblich gebildete Menschen sich als literarisch vollkommen unbeleckt und unbedarft "outen".

"Ich glaube, dass das Menschenbild, das heute für die Erziehung und die Bildung relevant ist, sehr funktionalistisch und den ökonomischen Bedürfnissen untergeordnet ist", meint Daniela Strigl. "Das humanistische Menschenbild ist in der Mottenkiste verwunden und ich hoffe, dass das irgendwann wieder ausgegraben wird." Derzeit ist Strigl dabei, Peter Rosegger aus der Mottenkiste zu holen. Im Mai werden zum 100. Todestag der Dichterlegende die ersten beiden Bände einer Leseausgabe erscheinen.

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Daniela Strigl, "Alles muss man selber machen - Biographie. Kritik. Essay", Droschl

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