Porträt von Peter Klein vor rotem Hintergrund.

ORF/JOSEPH SCHIMMER

Die Zukunft des Ö1 Abendlandes

Der Radio-Markt ändert sich, aber wird sich auch Ö1 ändern? Senderchef Peter Klein spricht im #doublecheck-Interview mit Nadja Hahn über die Zukunft des Senders: vom Spardruck, neuen Trends und alten Mustern.

Podcasts trenden, auch hierzulande. Wenn Podcasts für das Radio das sind, was Netflix für das lineare Fernsehen ist, dann steht Peter Klein vor einem Problem. Doch davon möchte der Ö1 Senderchef nichts wissen. Mit über 650.000 Hörern täglich gehe es Ö1 sehr gut, sagt Klein: "Ich habe in meiner langen Geschichte beim Radio schon viele Leichen vorbeischwimmen gesehen. Ich weiß nicht, wann das Hörspiel zum ersten Mal für tot erklärt worden ist. Ich weiß nicht, wann das Radio zum ersten Mal für tot erklärt worden ist. Faktum ist, die Radioprogramme des Österreichischen Rundfunks - und nicht nur diese - sind quicklebendig und putzmunter."

"Egal aus welcher Büchse man uns hört"

Der Podcast-Trend sei vor allem dort stark ausgeprägt, wo es keine starken öffentlich-rechtlichen Radios gebe, wie beispielsweise in den USA. Dass sich dieser Boom in Österreich fortsetzen wird, glaubt Klein daher nicht. Das dürfe Ö1 aber nicht darin hindern, sämtliche Ausspielwege zu nutzen, die es technisch gibt - sei es das Internet, Radio On-Demand oder eben Podcasts. "Selbstverständlich müssen wir all diese Technologien nutzen. Uns ist ja völlig egal, aus welcher Büchse man uns hört, Hauptsache man hört uns."

Ö1 Chef Peter Klein spricht im ersten Teil des Interviews mit Nadja Hahn über den Podcastrend

"Vielleicht haben wir zu spät reagiert"

Insgesamt 18 Podcasts gibt es derzeit von Ö1, der von #doublecheck eingeschlossen. Klein kündigt an, dass das nicht das Ende der Fahnenstange sei und weitere Projekte folgen sollen. "Ich gebe zu, dass die Überlegungen, was wir als Podcasts anbieten, schon einige Jahre zurückliegen und wir möglichweise auf die aktuellen Veränderungen am Markt nicht entsprechend reagiert haben." Gerade lange Sendungen sind als Podcasts beliebt, als erfolgreicher Kultur- und Informationssender hat Ö1 diese bereits im Programm - etwa die Sendereihe "Hörbilder". Diese könnten bald auch als Podcast zu hören sein, so der Senderchef.

Sich nicht selbst das Wasser abgraben

Doch der Fokus auf das klassische Radio soll bleiben. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht kannibalisieren. Stärken wir die eine Schiene, schwächen wir die andere." Das lineare Hören sei nach wie vor zentral, sagt Klein. "Darauf richtet sich unsere größte Aufmerksamkeit, und alles andere sind zusätzliche Begleitangebote."

Eines dieser Begleitangebote ist der Ö1 Download-Service, der auch ein Geschäftsmodell für den Sender sei: "Über Downloads kann man, wenn auch in bescheidenem Maß, Geld verdienen - über Podcasts nicht. Daher stellt sich simpel die Frage, ob wir uns selber das Wasser abgraben, indem wir uns stärker auf Podcasts verlagern." Schließlich ist Werbung auf Ö1 per Gesetz verboten. Viele schätzen den Sender dafür. Für Peter Klein ist die Werbefreiheit allerdings kein Dogma. Er könne sich vorstellen, dass in einem beschränkten Maß irgendwann auch auf Ö1 Werbung läuft. "Wenn das der Gesetzgeber will", ergänzt Klein.

Peter Klein im Interview, Teil 2

Eine akustische Nationalbibliothek

Ein dringender Wunsch nicht nur von Peter Klein ist das Ende der 7-Tage-Regelung, die es dem ORF verbietet, seine Sendungen länger als sieben Tage online abrufbar zu halten. Die Vision des Ö1 Senderchefs: "Alles, was in der Geschichte von Ö1 jemals produziert worden ist und worauf wir die Rechte haben, unserem Publikum zugänglich machen. Ich träume von einer akustischen Nationalbibliothek Österreichs, wo alles, was mit Gebühren finanziert worden ist, jenen, die die Gebühren bezahlen, auch zugänglich gemacht wird. Wenn das der Fall ist, dann können wir uns eine Reihe von weiteren Überlegungen zwar nicht unbedingt sparen, aber damit werden sie relativiert. Das ist das eigentliche Ziel, das wir verfolgen müssen."

Dem Spardruck nüchtern begegnen

Ö1 muss so wie der gesamte ORF sparen, und das geht seit vielen Jahren so. Peter Klein will sich dennoch nicht defensiv zeigen. "Ich bin seit Jahrzehnten in diesem Unternehmen tätig. Ich kann mich nicht erinnern, jemals nicht einem gewissen Spardruck ausgesetzt gewesen zu sein. Wenn Ö1 aufgrund budgetärer Veränderungen leidet, dann leiden wir nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau." Ö1 sei sowohl budgetär als auch personell im Vergleich zu anderen Radiosendern bestens ausgestattet.

Peter Klein im Interview, Teil 3

"Abendland wird nicht untergehen"

Sollten sich die Bedingungen ändern, dann müsste sich eben auch der Sender ändern. Nach wie vor - auch nach allen Sparbudgets - sende Ö1 ein umfangreiches Programm, so Peter Klein. Aber: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass das eines Tages weniger sein wird, dass es nicht mehr sechs Journale am Tag gibt, sondern nur noch fünf, dass es nicht mehr stündlich Nachrichten gibt, sondern nur noch jede zweite Stunde, dass wir nicht mehr zwölf Stunden Wortprogramme spielen am Tag, sondern nur noch zehn. Und ich bin mir ganz sicher, dass das Abendland deswegen nicht untergehen wird."

Ö1 Chef Peter Klein im Interview, Teil 4

Eine Budgetfinanzierung anstelle der Gebührenfinanzierung, wie sie derzeit von der Regierungspartei FPÖ gefordert wird, lehnt Klein klar ab. "Eine Finanzierung aus dem Budget ist aus redaktioneller und journalistischer Sicht die schlechteste aller Ideen, weil dadurch der unabhängige öffentlich-rechtliche Rundfunk in der Tat zum Staatsfunk werden würde", sagt Ö1 Chef Peter Klein.

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