Korrespondent Raimund Löw in China: Er spricht mit einer chinesischen Frau in Uniform.

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Per Podcast durch die chinesische Mauer

Washington, Moskau, Peking, "Falter-Radio". Wie der langjährige ORF-Korrespondent Raimund Löw zum Podcasten kam und wie er den "Falter" davon überzeugen konnte mitzumachen: Löw im #doublecheck-Interview mit Stefan Kappacher.

Raimund Löw war mehr als 20 Jahre lang Auslandskorrespondent für den ORF, er berichtete aus Washington, Moskau, Brüssel und bis zuletzt auch aus Peking. Ausgerechnet dort ist der erfahrene Fernseh- und Radiomann auf Podcasts gestoßen. "Ich habe mich von China aus in amerikanische Podcasts eingeschaltet", erzählt Löw. Denn diese waren zumindest damals von der rigiden chinesischen Internet-Zensur nicht erfasst und ermöglichten dem Journalisten den Zugang zu ausländischen Medien. "Ich konnte zwar nicht die BBC hören, und ich konnte nicht die New York Times lesen, aber ich konnte den BBC-Podcast und den Podcast der New York Times hören. Die sind irgendwie durch die Firewall durchgeflutscht."

Mit Podcasts junges Publikum erreichen

Für Löw waren Podcasts anfangs eine technische Hürde, die er überwinden wollte. "Podcast wenden sich vor allem an jüngere Leute. Sie fürchten sich weniger davor, dass es etwas ganz Neues gibt." Dass man über Podcasts jüngeres Publikum erreicht, war auch das ausschlaggebende Argument für die Wiener Stadtzeitung "Falter", einen eigenen Podcast zu starten. Löw schreibt seit Jahren für den "Falter" Analysen, gemeinsam wurde im vergangenen Jahr das "Falter-Radio" entwickelt. In bereits mehr als 40 Folgen gewährt die "Falter"-Redaktion Einblicke in Recherchen und diskutiert unter der Leitung Löws mit prominenten Gästen, Experten und Betroffenen.

Keine Konkurrenz fürs Radio

Eine Konkurrenz für das klassische Radio sieht Raimund Löw in Podcasts nicht. Sie seien ganz klar eine Ergänzung des Radios und im Augenblick ein Nischenprodukt. Ein Blick in die USA zeige aber, dass sich das ändern kann. Dort prägen Podcasts mittlerweile die Medienlandschaft mit und weisen beachtliche Zugriffe auf.

Löw schätzt an Podcasts, dass man damit experimentieren kann. Anders als beim Radio sei das Podcast-Publikum weniger streng: "Ich habe auch Radio-Erfahrung, da verzeiht man sich selbst keine Fehler, und die anderen verzeihen einem auch nicht." Wenn ein Versprecher im Podcast nicht weggeschnitten wird, sei das für die Hörer hingegen kein Problem.

Raimund Löw im Interview über Podcasts mit Stefan Kappacher

Blick hinter die Kulissen

Denn den Hörern gehe es um Hintergrundthemen, sie wollen etwa wissen, warum und wie etwas berichtet wird und einen Blick hinter die Kulissen der "Falter"-Redaktion erhaschen. Mit der Podcast-Länge von bis zu einer Stunde könnten sie tiefgründig Themen bearbeiten, sagt Löw. "Dahinter steckt das Bedürfnis, ein Thema wirklich ausführlich zu hören und das von Leuten zu hören, die sich auskennen. Das ist ein Gegentrend zu der Geschwindigkeit, die es sonst gibt."

"Ein Podcast ist gratis"

In den Podcast-Charts hält sich das "Falter-Radio" gut, auf die Quoten achte man aber nur am Rande, so Raimund Löw. Man könne bei Podcasts schwer sagen, welche Form, Dauer und Themen beim Publikum ankommen, daher sollten die Chart-Erfolge keine inhaltlichen Entscheidungen vorwegnehmen.

Seit Anfang des Jahres gibt es zu Beginn jeder Folge eine Werbe-Einschaltung. Ein Versuch der Monetarisierung - aber dass der "Falter" bald mit dem Podcast Geld macht, glaubt Löw nicht. "Sehr längerfristig vielleicht, das hofft wahrscheinlich der "Falter"-Verlag. Die Wirklichkeit ist: Ein Podcast ist gratis." Aber man könne hoffen, dass das neue Format in Zukunft zumindest keine Kosten mehr für den Verlag verursache.

Löw im Interview, Teil 2

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