Trotz ihrer Vorbehalte gegenüber der deutschen Presse willigt Romy Schneider (Marie Bäumer) in ein Interview mit dem STERN-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) ein.

FILMLADEN FILMVERLEIH

Romy Schneiders zarte Zerrissenheit

In ihrer filmischen Nahaufnahme "3 Tage in Quiberon" erzählt die iranisch-französische Regisseurin Emily Atef die Hintergründe von Romy Schneiders (Marie Bäumer) letztem Interview, das sie ein Jahr vor ihrem Tod dem "Stern"-Journalisten Michael Jürgs (Robert Gwisdek) gab.

Morgenjournal | 11 04 2018

Judith Hoffmann

Kulturjournal | 11 04 | Emily Atef im Gespräch

Reißerischer medialer Seelenstriptease

Es war ein Karrierestart wie im Bilderbuch für den jungen Journalisten Michael Jürgs, als er Romy Schneider ein Jahr vor ihrem Tod im bretonischen Küstenort Quiberon aufsuchte und mit einem reißerischen Interview nach Hause kam, das sich zusammen mit den Bildern von Robert Lebeck millionenfach verkaufte. Bis heute wird daraus gerne der Satz zitiert:

Ich bin eine unglückliche Frau von 42 Jahren und heiße Romy Schneider.

Die Interviewsituation, eigentlich für einen Nachmittag anberaumt, erstreckte sich schließlich über drei Tage und wurde durch gemeinsame Strandspaziergänge, Kneipenbesuche und emotionale Streitgespräche unterbrochen.

Schwarz-Weiß-Porträt einer tragischen Ikone

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Emily Atef hat die Dynamik und den Verlauf des Ereignisses als intensives filmisches Kammerspiel inszeniert und dafür die fiktive beste Freundin Hilde, gespielt von Birgit Minichmayr, hinzugefügt, die das Quartett komplettiert. Als schützende Instanz soll sie Romy zur Seite stehen und steht am Ende doch nur ratlos daneben, angesichts der Zudringlichkeit und Untergriffigkeit des Journalisten Jürgs.

Während der dreijährigen Arbeit am Drehbuch führte Atef auch lange Gespräche mit Michael Jürgs und dem 2014 verstorbenen Fotografen Robert Lebeck. Er überließ ihr außerdem sein gesamtes Material in Form von 580 Schwarz-Weiß-Fotos, erzählt Emily Atef: "Das waren unglaubliche Fotos, teilweise verwackelt oder unscharf, weil er selbst betrunken war. Ich habe so viel Zeit damit verbracht, diese Fotos anzusehen und mich hineinzufühlen, dass ich am Ende nur noch Schwarz-Weiß sehen konnte. Ich konnte keine Farbe sehen in diesem Film."

Zwischen Euphorie und Zerstörung

Die Schwarz-Weiß-Ästhetik verleiht dem Film eine künstlerische Distanz und gleichzeitig eine fesselnde Nähe zur Protagonistin. Marie Bäumer überzeugt als fragile Romy, die zwischen Zurückgezogenheit und völliger Exponiertheit pendelt, sich im Interview seelisch entblößt, sich in der Kneipe mit Champagner volllaufen lässt, dort wildfremden Menschen um den Hals fällt, mit ihnen singt und tanzt.

Wenige Wochen nach dem Interview wird Romy Schneider eine Niere entfernt, zwei Monate danach stirbt ihr Sohn bei einem tragischen Unfall, sie selbst erliegt 1982 einem Herzversagen. Emily Atef lässt die schicksalhaften Tage in Quiberon dennoch in einen unvermutet positiven Epilog münden: "Ich fand es enorm wichtig, die Geschichte mit einem Funken Hoffnung enden zu lassen, mit einem Augenblick Frieden, der vielleicht zwei Wochen währt, vielleicht nur einen Nachmittag. Aber das kann ihr niemand nehmen, bevor dann tatsächlich die Hölle losgeht."

Sehenswerte Momentaufnahme

"3 Tage in Quiberon" ist weder filmischer Kniefall noch überladenes Biopic und vielleicht gerade deshalb ein äußerst sehenswertes Porträt, das im Jahr des 80. Geburtstags der Ausnahmeschauspielerin wohl jetzt schon zu den künstlerisch wertvollsten Auseinandersetzungen mit ihr gezählt werden kann.

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