Feuerhalle Simmering

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Feuerhalle Simmering, Wien

Eine sonderbare, mystisch anmutende Formensprache wählte der Architekt Clemens Holzmeister für die Feuerhalle am Zentralfriedhof, die auf dem Gelände des kaiserlichen Schlosses Neugebäude errichtet wurde und daher auch auf dessen Gestaltungsmotive Bezug nimmt. Für Holzmeister, der im Architektur-Wettbewerb nur den 3. Platz belegt hatte, war der Auftrag der Grundstein seiner Karriere.

Moderne Bestattung

Brigitte Voykowitsch

Werner T. Bauer, Kulturanthropologe und Autor des Buches "Wiener Friedhofsführer", erzählt die Entstehungsgeschichte des Bauwerks, dem ein Kulturkampf um die Feuerbestattung zugrunde liegt: "Im katholischen Bereich, war die Feuerbestattung als heidnischer Brauch bei Todesstrafe verboten - das ging auf ein Gesetz zurück, das Kaiser Karl der Große erlassen hat.

Daran hat man sich eigentlich bis ins 19. Jahrhundert europaweit gehalten. Spätestens mit der Aufklärung begann sich das aber ein wenig aufzuweichen. Damals haben erste Künstler und Intellektuelle angefangen, sich für die Feuerbestattung einzusetzen. Aber auch in der Arbeiterbewegung, die sich als Speerspitze der Aufklärung verstanden hat, gab es diesen antiklerikalen Impuls. Es hieß, proletarisch gelebt, proletarisch gestorben und nach den modernen Vorstellungen bestattet. Deshalb gab es ab 1885 in Österreich einen Verein, der hieß "Die Flamme", bezeichnenderweise, und dieser Verein hat sich dafür eingesetzt, dass die Feuerbestattung legalisiert und ein Krematorium errichtet wird. Es hat dann noch ein Weilchen gedauert.

  • Feuerhalle Simmering, davor Urnengarten

    Feuerhalle Simmering

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  • Feuerhalle Simmering

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  • Feuerhalle Simmering, Rückansicht

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  • Blumen und Rückansicht

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  • Feuerhalle Simmering, Innenansicht

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  • Innenansicht, Feuerhalle Simmering

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  • Gedenktafel

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  • Arkadenweg mit Blick auf die Feuerhalle

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  • Wasserspiele

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Erst im Roten Wien, mit dem ersten sozialdemokratischen Bürgermeister einer Millionenstadt, dem ersten weltweit, Jakob Reumann, hat dann der Gemeinderat im Jahr 1921 beschlossen, dem wiederholten Ansuchen des Vereins "Die Flamme" stattzugeben und dieses Krematorium errichten zu lassen. Da gab es dann eine Ausschreibung, und gewonnen hat sie der bekannte Josef Hoffmann; den Zuschlag erhielt allerdings Clemens Holzmeister.

Das Krematorium und der Urnenhain, die ja beide zum Zentralfriedhof gehören, der 1874 schon errichtet worden ist, beide gehen zurück auf eine Anlage, die im 16. Jahrhundert als Lust- und Jagdschloss nahe der Donauauen errichtet worden ist, nämlich das Schloss Neugebäude. Dieses Schloss war eine Zeitlang auch die kaiserliche Menagerie, bevor das Ganze dann nach Schönbrunn umgezogen ist. Das Schloss Neugebäude wurde dann mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben. Es ist bis heute ein Objekt, mit dem die Stadt Wien nicht weiß, was sie damit machen soll. Im Garten dieses Schlosses, der auch umgeben war von einer Mauer, wurde dann diese Anlage errichtet, und es heißt, dass die Pläne von Clemens Holzmeister sich besser in die bestehende Anlage integrieren haben lassen als der Plan von Josef Hoffmann.

Der Bau wurde dann sehr rasch begonnen und war nach einem Jahr fertig. Das Gebäude wurde 1922 feierlich eröffnet von Bürgermeister Jakob Reumann. 1923 gab es dann die erste Einäscherung, die ersten Kremationen. Und die damals schon christlich-sozial-konservative Regierung - die Sozialdemokraten waren an der Bundesregierung nicht mehr beteiligt - hat versucht, das zu verhindern. Der zuständige Minister Schmitz hat Klage gegen den Bürgermeister erhoben. Es gab dann einen veritablen Kulturkampf. Zur Überraschung aller hat dann der Verfassungsgerichtshof ein Jahr später, 1924, zugunsten der Stadt Wien und zu Gunsten der weiteren Inbetriebnahme dieses Krematoriums entschieden. Wenn man durch den Urnenhain geht, - es gibt ja diesen wunderschönen Arkadenbereich und auch einen Bereich, der Gruft-ähnlich ist, und dann gibt es natürlich die großen Urnenfelder - da sieht man, dass dort in erster Linie Anhänger der Sozialdemokratie bestattet wurden, wie zum Beispiel Jakob Reumann, Julius Tandler und andere. Und Künstler, Intellektuelle, die aus dem Bereich der Freidenker kommen, die sind auch dort bestattet."

Service

Werner T. Bauer, "Wiener Friedhofsführer. Genaue Beschreibung sämtlicher Begräbnisstätten nebst einer Geschichte des Wiener Bestattungswesens", Falter Verlag, Wien 2004

Friedhöfe Wien - Feuerhalle Simmering
Entwurfszeichnung von Clemens Holzmeister
Krematorium Wien

Gestaltung

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