Rotes Haus mit einem weißen Fenster auf rotem Hintergrund

ROWOHLT

"Slade House" von David Mitchell

In seinen Bestsellern, dem mit Tom Hanks verfilmten "Wolkenatlas" oder dem zuletzt erschienenen Roman "Die Knochenuhren" wechselt David Mitchell nicht nur zwischen den Epochen, sondern auch zwischen Realismus und fantastischen Elementen. In seinem neuen Buch "Slade House" mischt er diese Zutaten zu einem Spukhaus-Roman.

Mittagsjournal | 16 05 2018

Wolfgang Popp

Verschiedenartigste Geister

Spuken lässt es David Mitchell in seinem Spukhaus nicht nur gewaltig, sondern auch auf die unterschiedlichste Weise: "Geistergeschichten dürfen nicht lange sein, sonst werden sie zu etwas anderem. Und so habe ich meinen Roman in fünf Kapitel gegliedert und darin die verschiedene Arten von Geistergeschichten durchgespielt. Die erste ist die pharmazeutische, weil die übersinnliche Erscheinung meines Protagonisten möglicherweise eine Folge des Valiums ist, das er eingenommen hat. Die zweite ist eine psychiatrische Geistergeschichte, weil der Ich-Erzähler schizophren oder wahnsinnig sein könnte. Die dritte ist eine paranormale Geistergeschichte, in der Geister wirklich Geister sind, die vierte ist eine Geschichte mit unbekannten Hintertüren, und in der fünften weiß man nicht, ob der Geist echt ist oder der Ich-Erzähler."

"Die Slade Alley ist die schmalste Gasse, die ich je gesehen habe", heißt es im Buch. Dort liegt das geheimnisvolle Slade House, ein alter, strenger, mit Efeu zugewucherter Kasten, der jeder viktorianischen Gothic Novel gut zu Gesicht stehen würde.

David Mitchell

Leo van der Noort

David Mitchell

Tweet ins Grauen

Ungewöhnlich ist die Entstehungsgeschichte von "Slade House". Begonnen hat David Mitchell seinen Roman nämlich als Tweet, er ließ seine Figur also schön langsam, und Satz für Satz ins Grauen taumeln.

David Mitchell: "Mit einem Tweet kann man entweder die Handlung vorantreiben, die Figur entwickeln, eine Idee ausführen oder Stimmung machen. Und so muss man diese vier Punkte, immer reihum bedienen."

Der Autor als Killer

Ein Jugendlicher, ein Polizist oder eine Studentin. Die Ich-Erzähler, die das Slade House besuchen, gehören den verschiedensten Altersklassen und Professionen an - man trifft da verschwurbelte Esoteriker genauso wie kühle Ekel. Was sie teilen ist ein schlimmes Schicksal.

David Mitchell: "Ich bin in meinen Büchern kein großer Killer und wenn einmal einer dran glauben muss, dann lasse ich ihn einen möglichst sanften Tod sterben. Dann habe ich aber die neue Staffel von 'Game of Thrones' gesehen, in der Figuren gestorben sind, ohne die man sich die Serie nicht vorstellen konnte. Und das hat mir gefallen, dass es keine Figur mit Schutzmantel gibt, denn so etwas macht natürlich Angst. Deshalb habe ich auch meinen Figuren die Unantastbarkeit genommen, was jetzt zur Folge hat, dass keiner sicher ist in 'Slade House'."

Der Tod des Kritikers

So sanft wird gar nicht gestorben im Slade House, zumindest gibt es einen Polizisten, dessen Untergang mit fast sadistischem Genuss inszeniert wird. David Mitchell: "Ich lese keine negativen Kritiken, lasse mir von meinem Agenten aber den Namen des Kritikers zuschicken. Den verändere ich dann ganz leicht und in meinem nächsten Roman passiert dieser Figur dann etwas ganz Furchtbares."

Viele Opfer werden ihm für seinen nächsten Roman nicht zur Verfügung stehen, denn die negativen Kritiken dürften sich bei "Slade House" in Grenzen halten. So schaurig schön wie David Mitchell die Geister rief, die der Leser nicht mehr loswird.

Service

David Mitchell, "Slade House", Roman, aus dem Englischen von Volker Oldenburg, Rowohlt

Gestaltung

  • Wolfgang Popp

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