Menschen in einer Ausstellung

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Zehn Jahre Ö1 Talentebörse

"Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?" Diese Frage gehört zum Standardrepertoire jedes Bewerbungsgesprächs und ist wahrscheinlich für die meisten schwer zu beantworten.

Woher soll man das auch wissen? Sowohl das Privat- als auch das Berufsleben stecken voller unerwarteter und unvorhersehbarer Wendungen. Diverse Bewerbungsratgeber empfehlen jedenfalls Aussagen zu treffen, die von einem "gesunden Ehrgeiz zeugen, ohne aber übermütig zu erscheinen". Wie antworten Künstlerinnen und Künstler nun auf diese Frage? Sollte ihre Vorstellung von der Zukunft nicht in hohem Maße übermütig, fantasievoll, vielleicht sogar utopisch sein?

Kunst und Lebensplanung

Seit genau zehn Jahren bitten wir junge Kunstschaffende um genau jene Einschätzung. Ein Großteil verweigert jedoch diese Aufforderung und möchte sich lieber überraschen lassen. Manche sehen sich "auf der Bühne mit guten Musikern" oder "motiviert an der Posaune", "als Lehrender beschäftigt", andere wiederum "als zufriedenen Familienvater, der das Glück hat, von der Musik zu leben", und wieder andere "hoffentlich einmal wirklich beim Geldverdienen".

Das Kunstmachen ist, so scheint es, in vielerlei Hinsicht, vor allem aber in finanzieller, eine Überlebenskunst. Junge Künstlerinnen und Künstler können sich kaum allein auf das Schaffen ihrer Kunst konzentrieren. Oft müssen sie mit einem Zweitjob ihren Lebensunterhalt bestreiten, sie müssen sich selbst vermarkten, sie müssen "netzwerken", sie müssen Öffentlichkeitsarbeit betreiben.

Plattform für den Nachwuchs

Und genau an diesem Punkt setzt die "Ö1 Talentebörse" an. Ziel der Serie ist es, dem Künstlernachwuchs des Landes eine Plattform zu bieten. Seit 2004 gibt es die Initiative in Kooperation mit den acht österreichischen Kunstuniversitäten online, seit 2008 auch on air. Nach zehn Jahren auf Sendung lässt sich auch überprüfen, wo die damals aufstrebenden Nachwuchstalente nun tatsächlich gelandet sind. So präsentieren wir in der heurigen Sommerserie nicht nur neu zu entdeckende Künstler/innen, sondern fragen auch nach, wie es den bereits vorgestellten Persönlichkeiten ergangen ist.

Manch eine feiert beachtliche Erfolge, etwa Stefanie Reinsperger als Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen; Verena Altenberger wurde als beste österreichische Schauspielerin ausgezeichnet; die Cellistin Harriet Krijgh reüssiert auf internationalem Parkett. Es geht jedoch weniger um einzelne Karrieren, vielmehr um neue Perspektiven auf die Kunst.

Die Performance-Künstlerin Suzie Léger zum Beispiel arbeitet heute in New York und muss ihre prekären Lebensumstände vor ihrer Mutter immer noch rechtfertigen. Und da auch alle ihre Freunde langsam häuslich werden, stellt sie sich zunehmend häufig die Frage: Wie will ich eigentlich leben? Und sie meint: "Das ist für mich Kunst: sich und sein Leben und die Wahrnehmung dessen ständig zu reflektieren." Wie wird sie das in zehn Jahren sehen? Wir bleiben dran.

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