Felsenreitschule

SALZBURGER FESTSPIELE/ANDREAS KOLARIK

Von Einems Oper "Der Prozess" - RSO Wien & HK Gruber

Im Jänner wäre der österreichische Komponist Gottfried von Einem 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass widmen ihm auch die Salzburger Festspiele heuer einen Schwerpunkt: Seine Oper "Der Prozess" nach Franz Kafka ist dort 1953 uraufgeführt worden.

Mit diesem Werk ist Gottfried von Einem im Alter von 35 Jahren ein durchschlagender Erfolg gelungen. Und "Der Prozess" ist heute Abend in der Felsenreitschule in einer konzertanten Fassung zu erleben. Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien spielt unter der Leitung des ehemaligen Einem-Schülers HK Gruber - Ö1 überträgt live.

Mittagsjournal | 14 08 2018
Sebastian Fleischer

Die Bedrohung ist zunächst unsichtbar, aber von Beginn an ein ständiger Begleiter des Bankangestellten Josef K. Eines Morgens wird dem Protagonisten des Dramas ein Haftbefehl überbracht, den Grund für seine Anklage erfährt er nicht, und doch: ein Entkommen ist unmöglich.

"Der Hauptdarsteller ist das Orchester" HK Gruber

Nie sei Gottfried von Einems "Der Prozess" mit jener Schärfe realisiert worden, die der Komponist sich gewünscht hätte, sagt dessen ehemaliger Schüler HK Gruber. Denn das Stück sei musikalisch enorm radikal gedacht, so der Komponist und Dirigent: "Der Hauptdarsteller des Dramas ist das Orchester; und die Solisten sind mit ihren Texten eingepasst wie in ein Prokrustesbett und haben keinerlei Freiheiten."

Es ist eine kafkaeske Ausweglosigkeit, in der sich die Protagonisten im "Prozess" also auch musikalisch wiederfinden. Allerdings enthalte das Werk auch eine große Portion Ironie, meint HK Gruber: "Im Text gibt es einen komischen Aspekt – dieses Juristenchinesisch, das trifft der Kafka sehr schön. Diese Musik ist immer wieder durchzogen von Elementen der Unterhaltungsmusik und von Jazz.

Gottfried von Einem

AP/RONALD ZAK

Gottfried von Einem, 1988

Von Einems Konflikt mit den Festspielen

Gottfried von Einem sei ein Jazzliebhaber gewesen, sagt Gruber; diese Vorliebe habe ihn noch wenige Jahre zuvor während der NS-Diktatur in Schwierigkeiten gebracht. Jazz galt auch in den Jahren nach dem Krieg als Signal der Aufmüpfigkeit.

In Konflikt geriet der Komponist zu dieser Zeit allerdings auch mit den Salzburger Festspielen, wo er bereits 1947 mit "Dantons Tod" einen riesen Erfolg gelandet hatte. Dabei ging es um die Einbürgerung des unter Kommunismus-Verdacht stehenden Bertolt Brecht, den Einem als Dramatiker nach Salzburg holen wollte.

"Die Musik allein macht episches Theater"

Der Fall wurde zum öffentlichen Skandal, Einem daraufhin aus dem Festspiel-Direktorium ausgeschlossen, dem er seit 1947 angehört hatte. Die Rehabilitierung erfolgte dann mit seinem zweiten großen Opernerfolg: "Der Prozess".

"Ich habe gesagt: Man muss den Prozess einmal konzertant aufführen, um zu beweisen, dass die Musik allein episches Theater macht", so der Komponist und Dirigent HK Gruber. Die konzertante Aufführung von Einems "Der Prozess" mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien ist heute ab 19:30 Uhr live auf Österreich 1 zu erleben.

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