Willi Resetarits

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Willi Resetarits und das Glück

"Ich glaub’, ich bin der mit dem Glück", sagt Willi Resetarits anlässlich seines 70. Geburtstages. Wie sehr das Glück sein Leben bestimmte, welche Erlebnisse und Erfahrungen von Kindheit an für ihn prägend waren, erzählt er in diesem autobiografischen Ö1 Menschenbild. Er spricht über die "heilende Wirkung der Musik", über Politik, Gesellschaft und seine Sicht der Welt.

"Der Mensch hat ein Grundbedürfnis nach Anerkennung. Jeder Mensch. Das wird grob unterschätzt. Und es ist so einfach, ein bisschen die Augen offenzuhalten nach den Leuten, mit denen man zusammen ist, mit denen man arbeitet." Willi Resetarits

Willi Resetarits

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ORF-CD 811
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Spieldauer: 72:03 Min

Trackliste:
1. Stinatz & Favoriten
2. Die Schmetterlinge & ein Lebensmotto
3. Der Ostbahn-Kurti & das Publikum
4. Lebenswunsch Radioansager
5. Die schönsten Lieder sind die traurigen
6. Demut, Respekt & Anerkennung
7. Liebe & Glück

Seit einem halben Jahrhundert - seit seiner Zeit bei den Schmetterlingen - ist Willi Resetarits eine "Person des öffentlichen Lebens", bekannt und von vielen geschätzt nicht nur für sein musikalisches, sondern auch für sein gesellschaftliches Engagement. Dies gilt auch für den Ostbahn-Kurti, den Resetarits ab Mitte der 1980er Jahre "weltberühmt in ganz Österreich" (zit. Resetarits) machte.

"Ich ahne, dass das traurige Lied einen hohen Grad an Trostpotential beinhaltet."

Der Ostbahn-Kurti war eine vom Wiener Musikjournalisten Günter Brödl Ende der 1970er Jahre konzipierte Kunstfigur, deren (erfundene) Biografie sich mit der von Willi Resetarits in vielen Aspekten deckte. Dass Figur und Geschichte des Ostbahn-Kurti konstruiert waren, hatte, wie sich im Verlauf der Entwicklung herausstellte, für den Darsteller Willi Resetarits einen entscheidenden Vorteil: Er konnte hinter sie zurücktreten, und im Notfall konnte er aus ihr heraus.

Das galt auch für die Fans. Man / frau konnte sich mit dem Ostbahn-Kurti identifizieren, ihn sogar hingebungsvoll adorieren, weil die "Konstruktion Kurt" dafür sorgte, dass sich niemand, auch nicht ältere und vernunftorientierte Menschen, dafür schämen musste. Die große Wunderwelt, die Günter Brödl, Willi Resetarits & Co rund um die Ostbahn-Figur mit Freude und Fantasie entwickelten und die bei Fans großen Anklang fand, verdeckte über mehr als zwei Jahrzehnte den privaten Willi Resetarits. Im Gegensatz zu seinem Bühnen-Dasein als Chef einer Rockband hatte und hat es Willi Resetarits am liebsten "ganz still" und sehr privat.

Ich wollte gern so ein Sängerknabe sein, weil die Sängerknaben waren auch oft im Radio.

Für die Ö1 Sendereihe "Menschenbilder" erzählt Willi (eigentlich: Wilhelm Thomas) Resetarits von sich, seinem Leben, von Ereignissen und Erfahrungen, die für ihn als Mensch und Musiker wichtig waren. Das Gespräch fand am 27. September 2018 im legendären Radiostudio RP5 des Wiener Funkhauses statt. Hier hat Willi Resetarits mit RP5, dem Resetarits-Puschnig-Quintett, geprobt, hier sind zahlreiche Sendungen der Serie "Trost & Rat" für das Neue Radio Wien entstanden, und später Sendungen für Ö1.

"Mein politisches Engagement konzentriert sich auf mein soziales Anliegen."

Musiker sein zu können, Musik zu machen und vermitteln zu können, davon auch leben zu können, dafür ist Willi Resetarits zutiefst dankbar. "Ich glaub’, ich bin der mit dem Glück", sagt er. "Die Musik ist das Größte, das es gibt auf der Welt, weil sie auch viel für die Freundschaft tut." Die "heilende Wirkung der Musik" (so Kurt Ostbahn über die Rockmusik) spürte Resetarits auch in anderer Hinsicht:

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"'Trost & Rat' war die Erfüllung eines Lebenswunsches!"

"Der Mensch hat ein Grundbedürfnis nach Anerkennung", sagt er. "Jeder Mensch. Das wird grob unterschätzt. Du kannst sterben, natürlich nicht an der Geringschätzung anderer oder am Nicht-wahrgenommen-Werden, sondern an der Krankheit, die du dann bekommst, wenn du nicht geschätzt wirst, wenn deine Arbeit nicht geschätzt wird, wenn du nicht wahrgenommen wirst. Und es ist so einfach, ein bisschen die Augen offenzuhalten, wertschätzend zu sein gegenüber den Leuten, mit denen man zusammen ist, mit denen man arbeitet. Wahrgenommen zu werden und andere wahrzunehmen, das ist ganz wichtig."

Auch wenn er mittlerweile bekannt und prominent ist und sich sicherer fühle, habe er nicht vergessen, wie es ist, wenn man dem eigenen Selbstgefühl nach "der Unterste von den Geringgeschätzten ist". Eine Ahnung, woher dies rührt, vermitteln Resetarits’ Schilderungen der ersten Jahre, die er, als Migrantenkind aus dem südlichen Burgenland kommend, in Wien erlebte.

Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Die kantischen Grundfragen finden sich unausgesprochen auch in diesem "Menschenbilder"-Gespräch. Und es ist bezeichnend, was und wie Willi Resetarits - über sich erzählend - antwortet.

Gestaltung

  • Kurt Reissnegger

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