Heilige Nacht Krippe

APA/RUBRA

"Stille Nacht ..." - Ein klangvolles Gedicht

Ö1 Schwerpunkt anlässlich 200 Jahre "Stille Nacht! Heilige Nacht!"

Es ist jenes Lied, das wohl in den meisten Familien am Heiligen Abend als letztes gesungen wird. Es gilt als das Weihnachtslied schlechthin, ist weltweit bekannt und jedes Jahr aufs Neue in der Interpretation eines gerade angesagten Popkünstlers in den Charts vertreten. Und trotz zweier Ausrufezeichen im Titel ist es ein besonders besinnliches Lied.

Entbehrungsreiche Zeit

Der Beginn des 19. Jahrhunderts war für die Bevölkerung von Stadt und Land Salzburg eine äußerst fordernde Zeit. Auf zweimalige Besetzung und mehrere Herrschaftswechsel folgte ab 1816 endlich wieder etwas politische Stabilität. Still waren die Nächte damals dennoch nicht. Denn im selben Jahr gab es in Indonesien einen Vulkanausbruch, und die über Europa ziehenden Aschewolken in diesem "Jahr ohne Sonne" führten zu Ernteausfällen und Hungersnot.

Dazu kam noch ein Stadtbrand in Salzburg, dessen Rauchwolken bis in jenen Ort zu sehen waren, in dem der Organist Franz Xaver Gruber tätig war. Diese Gemeinde hieß "Österreichisch=Laufen" und wurde später Oberndorf genannt. Es war also eine sehr bewegte und von Entbehrungen geprägte Zeit, in der "Stille Nacht! Heilige Nacht!" entstand.

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"Authentische Veranlassung zur Composition"

Gleich neben der Pfarrkirche in Oberndorf, im Mesnerhaus, wohnte ein gewisser Joseph Mohr. Der Koadjutor Oberndorfs kontaktierte zu Weihnachten Franz Xaver Gruber: "Es war am 24. Dezember des Jahres 1818, als der damalige Hülfspriester Herr Josef Mohr (…) Franz Gruber (…) ein Gedicht überreichte, mit dem Ansuchen eine hierauf passende Melodie für zwei Solostimmen sammt Chor und für eine Guitarre=Begleitung schreiben zu wollen. Letztgenannter überbrachte am nämlichen Abend noch diesem Musikkundigen Geistlichen, gemäß Verlangen (…) seine einfache Composition, welche sogleich in der heiligen Nacht mit allen Beifall produzirt wurde." So erinnert sich Gruber in seinem Schreiben "Authentische Veranlassung zur Composition des Weihnachtsliedes 'Stille Nacht, heilige Nacht'" circa 40 Jahre später.

Tirol, Europa, Amerika

"Stille Nacht! Heilige Nacht!" bahnt sich dann aus dem Zillertal den Weg in das restliche Europa. Tiroler Sängerfamilien (wie Rainer oder Strasser) gingen schon in den 1820er Jahren auf Konzertreise durch das benachbarte Ausland. 1839 präsentierten die Rainer-Sänger dann "Stille Nacht! Heilige Nacht!" vor dem Alexander Hamilton Memorial auf dem Friedhof der Trinity Church in New York.

Heute sind Übersetzungen des Liedes in mehr als 300 Sprachen und Dialekte bekannt. Interpret/innen aller Genres, von Luciano Pavarotti bis Mariah Carey, haben das berühmteste aller Weihnachtslieder bereits aufgenommen. Im Programm von Ö1 darf es übrigens nur am 24. Dezember und erst ab 17 Uhr gespielt werden. Für die "Anklang"-Sendung erhielten wir gewissermaßen eine "Sondergenehmigung".

Text: Stefan Höfel - Dieser Artikel enstammt der aktuellen Ausgabe des Ö1 Magazins "gehört".