Ralph Mothwurf

FEKRY HELAL

Ralph Mothwurf, Komposition

Der 1988 in Linz geborene Musiker Ralph Mothwurf studiert Jazzkomposition an der Anton Bruckner Privatuniversität. Seinen Stil beschreibt er als variabel, da er sich sowohl in der klassischen, als auch in der Jazz- und Popszene zu Hause fühlt. Im November 2018 bekam er die Gelegenheit, eines seiner Werke im Rahmen der "Anhörung" mit dem Brucknerorchester Linz und dessen Chefdirigenten Markus Poschner zu erarbeiten.

Was ist Kunst?

Ich denke, dass viele Künstler das Bedürfnis haben Kunst darüber zu definieren, was sie nicht ist, um ihre eigene Existenzberechtigung zu legitimieren. Ich persönlich finde den Begriff zu vage und will mich nicht damit aufhalten, ihn für mich zu definieren.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich war früh an persönlichen Ausdruck und Strukturen jeglicher Art interessiert, wahrscheinlich als Versuch mich und mein Leben zu verstehen. Kunst bietet mir bis heute die Möglichkeit dabei weiter zu kommen, wofür ich sehr dankbar bin.

Kommt Kunst von können, müssen oder wollen?

Ich würde behaupten, dass eine Kombination aus allen drei Punkten sinnvoll erscheint. Dass man Kunst machen muss, ist für mich aber eine romantische Vorstellung, die eher davon kommt, dass Künstler gesellschaftlich eine Ausnahme darstellen. Es ist eine Sehnsucht von vielen, ihre Selbstrealisierung in den Mittelpunkt ihres Lebens zu stellen, unabhängig davon, dass man sich mit dieser Entscheidung in ein finanziell und strukturell prekäres Lebenskonstrukt begibt. Das führt meiner Meinung nach zu dieser Romantisierung von außen.

Wo würden Sie am liebsten auftreten?

Im großen Saal des Wiener Konzerthauses mit einer Uraufführung für Orchester.

Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Mit Martin Grubinger.

Wie viel Markt verträgt die Kunst?

Die Kunst darf sich nicht verraten nur um finanziell rentabel zu sein. Es ist nicht die Aufgabe der Kunst einem Markt zu entsprechen. Der Markt soll dafür sorgen, dass Kunst an die Leute gebracht wird, Künstler ihre Arbeit machen können und Strukturen aufgebaut werden können, die Kunst ermöglichen.

Und wie viel Kunst verträgt der Markt?

Ich glaube nicht an die Vorstellung einer geschlossenen Hochkultur, die nur auf Selbsterhaltung aus ist und mit dem Mainstream nichts zu tun hat. Der Markt als solches, sei es der Kulturbetrieb, Architektur, Design usw. nährt sich immer von den Ergebnissen der jetzigen und vergangenen Kunst. Kunst ist ein Katalysator, also kann es nicht zu viel davon geben für den Markt.

Wofür würden Sie Ihr letztes Geld ausgeben?

Ein Sack Kartoffel.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

In zehn Jahren hab ich unzählige Projekte gemacht, hab meine musikalische Sprache weiterentwickelt, hab größere Möglichkeiten meine Musik zu realisieren, keine Geldsorgen und fühle mich künstlerisch und privat erfüllt.

Haben Sie einen Plan B?

Mein Plan A ist ein Plan A-Z. Ich erweitere meine Fähigkeiten ständig und hab jetzt die Möglichkeit in vielen unterschiedlichen Bereichen mein erlerntes Können anzuwenden. Ob ich den Großteil meines Geldes als zeitgenössischer Komponist, Instrumentalist, Arrangeur, Dramaturg oder Musikvermittler verdienen werde, wird sich wahrscheinlich immer wieder ändern.

Wann und wo sind Sie das letzte Mal unangenehm aufgefallen?

Betrunken nach einem Konzert, in einem Gürtellokal, vor vier Wochen.

Wollen Sie die Welt verändern?

Ich verändere die Welt jetzt schon. Meiner Meinung nach, darf man die Strahlkraft des Individuums nicht unterschätzen. Wie man lebt, konsumiert, denkt und kommuniziert verändert das individuelle Umfeld. Die Welt ist die Summe aller individueller Umfelder.