Wim Wenders beim Dreh

DONATA WENDERS

Wim Wenders im Filmarchiv Austria

Er hat gemeinsam mit Peter Handke Engel am Himmel über Berlin fliegen lassen, mit "Paris, Texas" das Road Movie neu erfunden oder zuletzt die Gedankenwelt von Papst Franziskus auf die Kinoleinwand gebracht. Das Filmarchiv Austria widmet Wim Wenders jetzt eine groß angelegte Retrospektive und eine Fotoausstellung.

Morgenjournal | 10 01 2019
Wolfgang Popp

"Wim Wenders - Weltreisender" lautet der Titel der Retrospektive und tatsächlich hat Wenders seine Filme in den USA und Australien, an der portugiesischen Atlantikküste und natürlich in Deutschland realisiert. Von dort stammen auch die Fotos der Ausstellung, entstanden sind diese aber aus einer ganz anderen Haltung heraus.

Wim Wenders: "Ich finde, man kann nur fotografieren, wenn man keine Meinung zu etwas hat, sondern wie ein Schwamm alles aufsaugen kann. Und als Filmemacher ist es das genaue Gegenteil, weil ich da mit einer Geschichte an einen Ort komme. Da habe ich etwas zu erzählen."

Kulturjournal | 10 01 2019 | Wim Wenders im Gespräch über die wunderbare Einsamkeit des Fotografen, den Ort als Figur und seine Freundschaft zu Peter Handke
Wolfgang Popp

Freundschaft mit Handke

Seine gesamte Karriere hindurch hat Wenders die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern gesucht. Mit Musikern wie Nick Cave oder Bono von U2, oder mit Schriftstellern wie Sam Shepard oder Peter Handke.

Mit Handke verbindet ihn eine an die fünfzigjährige Freundschaft und die Zusammenarbeit geht zurück auf das Jahr 1972 als Wenders Handkes Roman "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" verfilmte. Wim Wenders: "Er hat mir wirklich seinen Roman geschenkt und gesagt, ‚mach einen Film daraus!‘ Und so habe ich meinen ersten Film gemacht. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt Filmemacher geworden wäre, wenn Peter mir nicht diesen Anschub gegeben hätte mit seinem Roman."

Wim Wenders 1072

Wenders bei den Dreharbeiten zu "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter", 1972

FILMARCHIV

Neuanfänger

Wenders Spielfilme bewegen sich durch alle Genres - sind Road Movies, Krimis oder Dystopien. In seinen Dokumentarfilmen wiederum hat er so unterschiedliche Persönlichkeiten wie den japanischen Filmemacher Yasujiro Ozu, die Tänzerin Pina Bausch oder Papst Franziskus porträtiert.

Was muss ein Mensch haben, damit ihm Wenders einen Film widmet? Wim Wenders: "Er oder sie muss etwas ganz Eigenes machen und darf sich nicht auf irgendwelche Traditionen oder Spielregeln verlassen, sondern muss den Mut haben, auf seinem Gebiet neu anzufangen."

"Lisbon Story", 1995

Nicht ums Verrecken

Wenders jüngster Film "Papst Franziskus - Ein Mann seines Wortes" hat ja teils herbe Kritiken geerntet, einen Werbefilm für den Papst habe er gedreht, lautete da etwa ein Vorwurf. Er sei als Filmemacher nun mal kein Michael Moore, sagt Wenders darauf, auch wenn er mit Moore gut befreundet sei: "Das ist nicht meine Haltung. Ich mache viel lieber Filme für etwas und weil mich etwas begeistert, während er etwas anprangern will. Schon als Student, als ich Filmkritiken geschrieben habe, konnte ich nicht ums Verrecken über Filme schreiben, die ich nicht mochte."

Wenders und Netflix

Mangelnde Offenheit was technische Innovationen angeht, kann man Wenders jedenfalls nicht vorwerfen. So hat er schon früh die Flexibilität des Digitalmaterials genutzt und das 3D-Format im Dokumentarfilm eingesetzt.

Und einer zukünftigen Zusammenarbeit mit Streaming-Plattformen wie Netflix steht Wenders auch offen gegenüber: "Ich mache das bestimmt auch einmal. Denn, wenn ich in Berlin, wo ich derzeit lebe, einen unabhängigen Film machen und mir ein Team zusammensuchen will, bekomme ich keine Leute mehr, weil die alle langfristig für Netflix-Projekte gebucht sind."

Service

Filmarchiv Austria - Wim Wenders. Weltreisender - 10. Jänner bis zum 28. Februar 2019. Die Eröffnung der Fotoausstellung und der Retrospektive findet heute Abend um 19:00 Uhr in Anwesenheit des Regisseurs im Wiener Metro Kino Kulturhaus statt.

Gestaltung

  • Wolfgang Popp

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