Angelika Hager

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Gedanken von Angelika Hager alias Polly Adler

"Mein Hobby sind Menschen", bekennt die Journalistin Angelika Hager, die in ihren Reportagen stets versucht, Menschen offenzulegen, ohne sie dabei bloßzustellen. Psychologie, Gender-Debatten und die skurrilen Auswüchse der österreichischen Gesellschaft zählen zu den Themen, denen sie sich bevorzugt widmet.

Neben ihrer journalistischen Arbeit als Leiterin des Gesellschaftsressorts im Nachrichtenmagazin Profil führt Angelika Hager eine Zweitexistenz als Polly Adler. Unter diesem Pseudonym verfasst sie für den Kurier seit über 20 Jahren die Kolumne "Chaos de Luxe". Vieles, von dem, was sie pointiert zu Papier bringt, hat Hager einfach dem Leben abgelauscht. Auch den Namen für ihr Alter Ego. Eine Polly Adler hat nämlich tatsächlich existiert. Sie war eine russisch-jüdisch-stämmige amerikanische Bordellbetreiberin, die im New York der Prohibitionszeit im Hinterzimmer ihres Etablissements an ihre prominenten Kunden reichlich Alkohol ausschenkte.

Chaos de Luxe

Die Themen der Polly-Adler-Kolumnen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten naturgemäß mit dem Älterwerden der Autorin verändert. Berichtete sie am Beginn noch freimütig von amourösen Turbulenzen ("Bis der Richtige kommt, möchte man wenigstens mit dem Falschen jede Menge Spaß haben!"), erörterte die Vereinbarkeit von Partnerschaft und heimlichem Liebhaber, so ging es dann später um die Freuden und Nöte mit dem eigenen "Fortpflanz" und um das Leiden am "empty nest", sobald der Langzeit-pubertierende Nachwuchs dann endlich ausgezogen war.

In Texten jüngeren Datums wird zuweilen schon der richtige Umgang mit ersten körperlichen Wehwehchen und Verfallserscheinungen angesprochen. "In meiner Altersgruppe ist das Parfum der Selbstironie ganz wichtig! Eine kluge Frau hat mal gemeint, ab einem bestimmten Zeitpunkt kommt es nur mehr darauf an, ein Original zu sein."

Während Angelika Hager alias Polly Adler versucht, in diese neue Rolle hineinzuwachsen, gibt sie der Leserschaft Antworten auf Fragen wie: Bietet eine Schmerzambulanz für reifere Herren und Damen tatsächlich ideale Flirt-Möglichkeiten? Was ist eigentlich Wolkerlspeck, und warum bekommen diese unschönen Dellen am Oberschenkel immer nur Frauen? Oder: Warum müssen Männer in Lebensphasen, in denen sie am besten nur noch Rotwein trinken und Rosen züchten sollten, Dritt- und Viertfamilien gründen?

Schneewittchenfieber und Kerls!

Satiriker, pflegt Angelika Hager gern zu sagen, sind nichts anderes als enttäuschte Romantiker, die sich vor weiteren Schmerzen schützen wollen. Aber neben ihren ironisch gefärbten, in mehreren Sammelbänden erschienenen Polly-Adler-Kolumnen hat Angelika Hager auch zwei ganz ernst gemeinte Sachbücher publiziert: "Schneewittchenfieber. Warum der Feminismus auf die Schnauze gefallen ist und uns das Retro-Weibchen beschert hat" und "Kerls!". Letzteres kein Ratgeber, sondern ein Reiseführer durch die männliche Psyche.

Angelika Hager hat neueste Studien durchforstet, Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Psychologie, Pädagogik und Soziologie interviewt, aber auch die unterschiedlichsten Männertypen über ihre Sorgen und Ängste befragt. Ihre Bilanz: "Es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass es den Frauen besser geht, wenn es den Männern schlecht geht!"

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