Ö1 Filmnacht im Technischen Museum Wien

Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung "Arbeit und Produktion - weiter gedacht" im Technischen Museum Wien wird bei der diesjährigen Ö1 Filmnacht am 8. März wieder ein zum Thema passendes Programm präsentiert.

Der Eintritt ist frei. Karten bis 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen. Vor und zwischen den einzelnen Filmvorführungen besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch einen Teil der Sonderausstellung teilzunehmen.

17 Uhr: Robots

Regie: Chris Wedge, Carlos Saldanha, USA 2005, DF, 91 min, FSK 0

Der kleine Roboterjunge Rodney Copperbottom ist ein intelligenter Kerl. Wohl behütet wächst er in einem verschlafenen Kaff in bescheidenen Verhältnissen auf. Seine Mutter ist Hausfrau und sein Vater Tellerwäscher in einem Lokal. Rodney, der ein Talent als Erfinder besitzt, will in Robot City sein Glück finden und beim Großkonzern Big Weld sein Idol, den gleichnamigen größten Erfinder aller Zeiten treffen. Allerdings wird Rodney schnell enttäuscht. Der idealistische Big Weld hat im eigenen Unternehmen nichts mehr zu sagen und ist von dem tyrannischen Ratchet abgelöst worden. Der will dem Robotervolk nur noch teure Upgrades und keine Ersatzteile mehr verkaufen. Angetrieben durch seine Mutter Madame Gasket, die Königin der Schrottpresse, will er seinen finsteren Plan durchsetzen und alle Roboter, die sich keine Upgrades leisten können, zu Altmetall verarbeiten. Doch er hat die Rechnung ohne Rodney gemacht. Gemeinsam mit seinem Kumpel Fender und der gutherzigen Cappy zettelt er eine Revolution gegen den mächtigen Konzern an. (Carsten Baumgardt)

Filmstill aus "Robots"

Robots

PARK CIRCUS

19 Uhr: Arbeiter verlassen die Lumière-Werke

Regie: Louis Lumière, Frankreich 1895, ohne Sprache, 1 min, FSK 0

Was am Abend des 28. Dezember 1895 im „Grand Café“ am Pariser Boulevard des Capucines geschah, ist ziemlich genau überliefert. 33 Schaulustige nahmen im Salon Indien im Keller Platz, was die Veranstalter erst enttäuschte. Immerhin hatten sie in dem umgebauten Billardsaal hundert Sitze installiert. Der Abend wurde dennoch ein Erfolg. Die Zuschauer wohnten einer Zeitenwende bei. Für einen Sekundenbruchteil war davon noch nichts zu merken. Es war nur die fotografische Ansicht eines Fabriktors zu sehen. Aber dann bewegte sich das Bild auf der Leinwand. Stattliche Arbeiterinnen in strengen Kleidern und breitkrempigen Hüten, ernste Herren in Arbeits- und Bürokleidung, ein verschmitzt dreinschauender Radfahrer, ein herrenlos durch die Menge springender Hund und schließlich einige Pferde und Kutscher verließen die Fabrik. Sie waren die ersten Darsteller der Filmgeschichte. Louis und Auguste Lumière hatten sie um die Mittagszeit des 19. März 1895 vor den optischen Werken ihres Vaters aufgenommen. (Gerhard Midding)

19.05 Uhr: Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen

Regie: Theodore Melfi, USA, 2016, OmU, 127 min, FSK 0

Der Film erzählt die bis dahin unbekannte, aber wahre Geschichte von Katherine Johnson, Dorothy Vaughn und Mary Jackson und ist eine leidenschaftliche Hommage an drei herausragende afroamerikanische Frauen, die zu Beginn der sechziger Jahre bei der NASA arbeiteten und an vorderster Front an einem der wichtigsten Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte beteiligt waren. Die brillanten Mathematikerinnen waren Teil jenes Teams, das dem ersten US-Astronauten John Glenn die Erdumrundung ermöglichte. Eine atemberaubende Leistung, die der amerikanischen Nation neues Selbstbewusstsein gab, den Wettlauf ins All neu definierte und die Welt aufrüttelt.e Dabei kämpfte das visionäre Trio um die Überwindung der Geschlechter- und Rassengrenzen und war eine Inspiration für kommende Generationen, an ihren großen Träumen festzuhalten. Der Mut machende und inspirierende Film erhielt 2017 drei Oscar-Nominierungen: als Bester Film, für das Beste adaptierte Drehbuch und für Octavia Spencer als Beste Nebendarstellerin für ihre starke und einfühlsame Darstellung der Dorothy Vaughan. (Andreas Ungerböck)

"Hidden Figures"

"Hidden Figures"

PARK CIRCUS

21.30 Uhr: Made in Dagenham - We Want Sex

Regie: Nigel Cole, UK 2010, 113 min, FSK 6

Nigel Coles Film zeichnet ein vielschichtiges Bild vom ersten Streik britischer Frauen, die 1968 im Ford-Werk in Dagenham darum kämpfen, dass ihre Arbeit nicht als ungelernter Hilfsjob eingestuft wird, und mit der Forderung für gleichen Lohn wie ihre männlichen Kollegen auf die Straße gehen. Im Mittelpunkt steht Rita (Sally Hawkins). Ihr Mann unterstützt ihren Kampf, ist aber irritiert, als er plötzlich einen Gutteil der Hausarbeit und der Kindererziehung übernehmen muss, Aufgaben, die bisher allein Rita vorbehalten waren. Ein Gewerkschaftsfunktionär bringt Rita erst auf die damals neue Idee der gleichen Bezahlung, weil seine Mutter ihr Leben lang für einen Bruchteil des Lohnes eines Mannes geschuftet hat; und er hält ihr auch die Stange, als die Gewerkschaftsspitze mit Ford zu verhandeln beginnt, um die Frauen mit allen Mitteln zurück zur Arbeit zu bringen. Das immer noch hochaktuelle und ungelöste Thema von Gleichbehandlung und Arbeitsteilung wird ernsthaft behandelt. Durch den leichten Ton, die exzellenten Schauspieler und die schwungvolle Inszenierung ist der Unterhaltungswert dennoch beständig hoch. (Günter Pscheider)

Filmstill aus "Made in Dagenham"

"Made in Dagenham"

PARK CIRCUS

23.35 Uhr: Modern Times

Regie: Charlie Chaplin, USA 1936, kein Dialog, 87 min, FSK 6

Als Arbeiter am Fließband sorgt der „Tramp“ für Chaos, weil er nicht im Tempo der Maschine funktioniert. Selbst die Mittagspause ist vollautomatisiert, obwohl die Füttermaschine für die Arbeiter noch einige Probleme verursacht. Als das Band auf Höchstgeschwindigkeit gestellt wird, gerät Charlie wortwörtlich in die Zahnräder der Maschinerie. Ein letztes Mal inszeniert sich der begnadete Pantomime Chaplin, dem der Tonfilm suspekt war, ohne synchronisierten Dialog. Als Kellner singt seine Figur zwar ein Lied, aber in unverständlichem Kauderwelsch, ansonsten kommen die Stimmen aus Apparaten. In den Problemen der Depressionszeit hat Chaplin, langjähriger Chronist des Lebens in Armut, fruchtbaren Stoff für satirische Vignetten gefunden. Modern Times beginnt mit der Überblendung von einer Schafherde auf Arbeiter, die die Fabrik verlassen, und marschiert mit Big-Brother-Visionen zum frühen Höhepunkt in der Art-Déco-Arbeitshalle. Hier erleben wir Charlie am unmenschlich beschleunigenden Fließband und im Würgegriff des mechanischen Räderwerks: die großartige Slapstick-Konfrontation des Künstlers mit einer neuen Ära – und einer der großen Momente des Kinos. (Christoph Huber)

Service

Ö1 Filmnacht, Freitag, 8. März 2019, ab 17:00 Uhr.
Information und Zählkarten:
Technisches Museum Wien - Ö1 Filmnacht
Restkarten an der Abendkassa ab 16:40 Uhr